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Virtuelle Nostalgie

Marin Balabanov, 27. September 2007

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Videospiele eine Freizeitbeschäftigung für Kinder. Dieses Vorurteil hat sich seit einem Jahrzehnt weit von der Wirklichkeit entfernt. Ein großer Teil der modernen Videospieler sind männlich, über 25 Jahre alt und betreiben das Spielen als zeit- und geldintensives Hobby. Sie spielen schon seit über einem Jahrzehnt. Vielleicht können sie jetzt endlich den Zauber ihrer Jugend wiederfinden - in der virtuellen Konsole von Nintendo, dem Tor zu den alten Spiele-Hits von Anno dazumal.

Die Entwicklung der Videospiele ist nur scheinbar linear. Nur scheinbar ist der technische Fortschritt in Grafikleistung und Prozessorgeschwindigkeit ein Antrieb. Denn gerade jetzt im Jahre 2007 zeigt sich, dass zwei unterschiedliche Philosophien aufeinander prallen. Auf der einen Seite kämpfen XBox 360 und Playstation 3 um die technische Hegemonie. Sie übertrumpfen einander mit ihrer Grafikleistung, ihren HD-Fähigkeiten und ihrer Geschwindigkeit. Der dritte im Bunde, Nintendo Wii, geht da einen ganz anderen Weg. Mit seinter erstaunlich anderen aber technisch primitiveren Videospielekonsole setzt Nintendo auf Spaß!

Spaß statt Leistung

Bevor Wii auf den Markt gekommen ist, war es schon verschrieen als ein leicht verbesserter Nintendo Gamecube, der im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern High Definition-Grafiken nicht einmal in voller Qualität darstellen kann. Hauptverkaufsargument war der völlig neue Game-Controller, der Wii-Mote, der wie ein Zauberstab oder ein Laserschwert benützt wird. Die Konsole registriert die Bewegungen des Spielers in allen drei Dimensionen und reagiert darauf. So wird das Videospielen zum physischen Akt, der über das "Knopferl-Drücken" hinausgeht. Videospielen wird so wieder zum aktiven Familienereignis. Mittlerweile kann man mit Gewissheit sagen, dass diese Strategie aufgegangen ist. Nintendo Wii ist die erfolgreichste der drei Konsolen. Durch die Hintertür hat Nintendo auch ein weiteres Konzept hineingebracht. Mit seiner online erhältlichen "Virtual Console" bietet Nintendo den "iTunes-Store für alte Videospiele" an. Hier kann der Nutzer alte Hits aus den vergangenen Nintendo- und Sega-Generationen runterladen und in einer für ihn unsichtbaren Emulation spielen, als laufen sie auf der Originalkonsole ab.

Ein Click führt zurück in die Vergangenheit

So können alte Spiele wie "Super Mario" oder "Sonic, the Hedgehog" die alten Hasen unter den Videospielern zurück in ihre Kindheit versetzen. Das mag zwar nichts grundsätzlich Neues sein, da Emulation alter Videospiele schon seit Jahren ein brennendes Thema ist, allerdings war es nie so einfach. Im Wii-Shop sucht sich der Spieler die alten Hits aus und schon sind sie aufgrund ihrer geringen Speichergröße auch runtergeladen. Nintendo ist auf Qualitätskontrolle aus. Sämtliche alten Spiele sind auf ihren reibungslosen Ablauf getestet und funktionieren im Gegensatz zu "geklauten ROM's" in der Emulator-Szene absolut reibungslos.

Gut ist nie gut genug

Natürlich kann die kritische Internet-Generation auch dieses ausgeklügelte Konzept zerreissen. Immerhin spielt man auch die amerikanischen Spiele, die für NTSC-Systemen mit 60 Hz entwickelt wurden in den lahmen europäischen 50 Hz, ohne dabei die höhere PAL-Auflösung auszunützen. Sie laufen Spiele um ca. 10% langsamer ab, als früher und verfügen über einen "Trauerrand", weil die Grafik nicht den gesamten Bildschirm ausfüllt. Aber vielleicht ist das nicht einmal so schlecht, immerhin ist die Zielgruppe mit ihren 25 oder gar 30 Jahren nicht mehr die jüngste, da ist jeder Geschwindigkeitsvorteil willkommen.

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