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Micro Heroes - Die Verpixelung des Superhelden

Teil 2: Der Aufstand der Fans

Marin Balabanov, März 2010

Wieso veröffentlichen Comicverlage überhaupt noch Comichefte? Wie wichtig sind die Leser und die Fans der Superhelden? Was können Comics besser als andere Medien? Teil 2 der Serie bespricht die entscheidende Rolle von Comics als Probenraum für andere Produkte der Popkultur.

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Anmerkung: Sämtliche Rechte an den besprochenen Figuren liegen bei den entsprechenden Rechte-Inhabern Marvel bzw. DC Comics.

Im ersten Teil "Heldendämmerung" ging es um die Verbreitung der Superhelden in Film und Fernsehen. Die Auflagen der eigentlichen Comic-Serien liegt weit unter vergleichbaren Printerzeugnissen, weil sie einen Nichen-Markt bedienen. Die hauptsächliche Einnahmequelle der Comicverlage DC und Marvel stellen die Lizenzen ihrer Figuren für Filme, TV-Serien und Videospiele dar.

Comics als billiges aber praktisches Mittel der R & D

Spider-Man als Pixelart - MicroheroesDie kleinste aber nicht zu unterschätzende Einnahmequelle von Marvel liegt im Wesen des Druckmediums Comic. Filme und TV-Serien sind sehr kostspielig. Nach einer langen und teuren Phase von “research and developement” müssen diese Kosten möglichst schnell wieder eingespielt werden. Dies führt dazu, dass in Film und TV Abweichungen von Formeln und Erfolgsrezepten nur widerwillig und langsam möglich sind. Vor allem SF-Serien haben hohe Kosten für teure Kulissen und Spezialeffekte. Dieses Problem haben Comic-Serien nicht.

Ganz gleich, was auf einer Comic-Seite gezeigt wird, ganz gleich wie ausschweifend eine Geschichte ist, die Kosten in der Herstellung eines Heftes bleiben immer gleich. Ein Zeichner erhält gleich viel Geld für die Zeichnung zweier Menschen, die miteinander reden wie für die Zeichnungen einer Weltraumkriege, in denen Planeten auf einander prallen und ganze Armeen einander am Schlachtfeld zermalmen.

So dienen Comics als billige Bühne für praktisches R & D. Hier können neue Konzepte getestet werden. Wenn sie sich gut entwickeln stellen sie neue Franchise-Möglichkeiten dar. Wenn sie erfolglos sind, dann waren sie den Versuch wert und haben in der Produktion nicht zu viel Geld gekostet.

Rawhide kid
Rawhide Kid - Marvels schwuler Cowboy
(Bild: Marvel)

Marvel Comics probiert ständig neue Konzepte im Rahmen seiner praktischen R & D. Hier hört der Verlag auf die Meinung der Fans. Sie sind sehr vokal und kommunizieren ihre Meinung sehr gerne.

Die Fan-Galaxis

Comic-Fans sind ver-rückt. Vielleicht auch im herkömmlichen Sinne des Wahnsinns. Viel eher aber im Sinne, dass sie außerhalb des Mainsteams gerückt sind. Haben haben ihr Medium, ihre Figuren und Regeln zu ihrem Hobby auserkoren und investieren viel Zeit, Geld und Energie für ihre Begeisterung. Im Folgenden einige Beispiele für Fan-Vorhaben.

Paper Dolls: Die Kleiderpuppe aus Papier

So manche Fans mit Spezifizierungs-Wahn ließen sich von "paper dolls" inspirieren. Diese "Papier-Puppen" zum ausschneiden dienen als Schablonen, um mit Bekleidung versehen zu werden. Geek-Culture hat diese Form schon lange aufgegriffen und mit dem Begriff "Dollz" versehen.

Paper Dolls in ihrer ursprünglichen Form
Paper Dolls in ihrer ursprünglichen Form
(Bild: skyglass.com)

Das Prinzip der “Dollz” wurde von vielen Unternehmen im Web verwendet, um die Erstellung von individualisierten Avatars zu ermöglichen. So bieten Chat-Betreiber Java-Programme, die dem User eine nackte 2D-Figur präsentieren. Diese kann er dann ankleiden und mit verschiedenen Frisuren versehen nach Maßgabe der ihm gebotenen Möglichkeiten. Wenn er fertig ist, kann er sie uploaden. Dann wird sie als seine Repräsentation im Chat verwendet.

Im nächsten Teil wird besprochen, wie die Paper Dolls zu Micro Heroes mutierten.

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In Teil 1 “Heldendämmerung”: Wer liest aber noch Comics? Und wie erfolgreich sind sie überhaupt?

In Teil 3 “Die Rückkehr der Pixel-Ritter”: Wie entstanden die Micro-Heroes? Und wie tragen Pixelart-Fans zur Rettung und Archivierung alter Marvel-Helden bei?

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Quellenverzeichnis:

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Ich schreibe auch auf Twitter unter: twitter.com/secretwars. Zudem habe ich zwei kleine Comic-Blogs: 80ies Comics are the Best! und Snikt! The Comics of the Nineties

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