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Das alte Zeug war noch wirklich gut!

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14. September 2006: Einleitungen zu XEGO

Ich habe die zwei Einleitungen zu XEGO Nr. 7 und Nr. 8 in einem Blog-Beitrag zusammengefasst.

Extreme Experimentale Exkremente (aus XEGO Nr. 7)

Nun ist das erste Jahr XEGO überstanden. Jetzt kommen wir weg vom Trash hin zu den seltsamsten Comics aller Welten. Die Reaktionen auf die ersten sechs Ausgaben waren so verschieden aber doch in ihrem Grundtenor eindeutig: “Irgendwie ganz okay, aber völlig sinnlos und teilweise sogar einfach blöd!” Wie Recht doch alle haben!

Ich hätte aber nie gedacht, dass mich die Kritik derartig stark trifft. So hat meine Motivation während der letzten zwei Ausgaben ziemlich gelitten (mittlerweile geht es wieder). Aber was habe ich denn anderes erwartet? Wenn ich etwas veröffentliche (auch in meiner bescheidenen Auflage), dann ist Kritik völlig normal! Ich will experimentieren, will meinen Ideen - ganz gleich wie schlecht - einen Raum geben und vor allem will ich das auf regelmässiger Basis machen, um mir keine Ausrede zu geben, dass ich Ideen vor mich hin schiebe und nie verwirkliche. Jeder der eine auch nur eine miese Idee verwirklicht hat, ist jedem anderen, der eine gute Idee vor sich hin schiebt aber nie verwirklicht, um ein Scheitern voraus! “Erfahrung” ist doch der Name, den wir unseren Fehlern geben...

Wichtig war es mir, alle Ideen, so schnell es nur ging, zu verwirklichen, damit sie nicht verkrusten und ich sie zum unantastbaren “Heiligtum” erkläre, dass ich noch nicht umsetzen kann, weil es mir an Zeit, an Ressourcen und an Können fehlt. Immerhin soll jedes zweite Monat eine Ausgabe von XEGO herauskommen. (Okay, es ist mir nicht immer auf den Tag genau gelungen - z.B. diese Ausgabe - ich habe mich aber zumindest nie im Monat geirrt!)

Da kann ich mit den Vorwürfen leben, dass die Zeichnungen in XEGO von ziemlich schlecht bis recht brauchbar reichen (wie im Fanzine-Kurier berichtet). Da kann ich mit der Kritik zurecht kommen, dass die Geschichten keine moralische Werte vermitteln und im Prinzip ethisch völlig gleichgültig sind (wie in Plopp umschrieben). Gleich wie sehr es weh tut, komme ich mit der Aussage zurecht, dass es sich dabei um klischee-hafte Onaniervorlagen handelt (wie in den spärlichen Leser-Mails vermittelt). Aber was soll’s!?! Wenn Gott wollte, dass wir Sex mit unserer eigenen Hand haben, dann hätte er uns ein zweites Geschlechtsorgan auf der Handfläche gegeben.Jetzt ist aber Schluss mit Sinnlos. Jetzt reicht’s mit unmoralisch.

Jetzt ist es genug mit brauchbar gezeichnet! Jetzt geht’s auf’s Ganze! Jetzt kommt “Tanim - Das Ende der Welt”!

Die Geschichte, die in dieser Ausgabe beginnt inkubiert schon eine Weile in diesem merkwürdige Ding, das ich zweifelnd “Gehirn” nenne. Einige Handlungsfäden habe ich bereits vor zehn Jahren in einem Comic-Zeichenkurs mit Michael Wittmann besprochen (dem Perry Rhodan-Zeichner ist es wohl gar nicht recht, hier ins Spiel gebracht zu werden). Jetzt kommt alles raus! In diesem in seiner Gesamtheit fast 200 seitigen Epos habe ich so ziemlich alles hineingezeichnet und geschrieben, das mir so durch den Kopf geht. Ich habe mich von meinen Idolen Jack Kirby, Grant Morrison, Dave Sim und Peter Bagge inspirieren lassen, was das Zeug hält. Natürlich bin ich nicht annähernd so gut. Aber schon Paul Graham hat geschrieben: Kopiere das, wofür Du Leidenschaft entwickelst, dann entwickelst Du Dich weiter!

Also lassen wir uns mal ordentlich entwickeln. Willkommen zur Evolution! Willkommen zu Tanim... Das nächste Jahr wird sicher noch interessant!

PS: Ein Riesen-Super-Danke an Andreas Leder vom SFC Stardragons für das eifrige Korrekturlesen und die witzigen Textideen.

Hinein in die Unwirklichkeit (aus XEGO Nr. 8)

Jetzt da wir die Hitzewelle überwunden haben, hat uns die Wirklichkeit wieder eingeholt. Mit diesem Zustand sollten wir uns allerdings nicht abfinden, deshalb präsentiere ich Euch ein gehöriges Stückchen Unwirklichkeit: die nächsten zwei Kapiteln von “Tanim - Das Ende der Welt”.

Die letzte Ausgabe liegt immerhin fast zwei Monate zurück, da kann es einem schwer fallen, sich an die Handlung zu erinnern (vor allem weil alle Figuren so verdammt seltsam aussehen!), deshalb kehrt in dieser Ausgabe unser Freund, das Lesen-Wesen, zurück und erzählt uns in seiner unverwechselbaren Weise, was in der letzten Ausgabe geschehen ist. Herzlich willkommen Lesen-Wesen, wie war der Urlaub?

Ich danke Euch allen, die Ihr mir geschrieben habt, mit Lob über die erste Ausgabe von XEGO im neuen Gewand. Es freut mich, dass die Verwandlung großen Anklang gefunden hat.

(An die wenigen, die negative Kritik geübt haben: Ich werde herausfinden, wo Ihr wohnt und schicke Euch Travellic, der eine ordentliche Tracht Prügel parat hat!)

Der eine oder andere fragt sich, wohin die Geschichte führt und ob die zahlreichen Handlungsstränge überhaupt ordentlich zusammengeführt werden. Vertraut mir, es geht sich aus...

Aufmerksame Surfer haben bemerkt, dass seit drei Monaten auch meine Webseite unter www.marincomics.com im funkelnagelneuen Design erstrahlt. Bald wird es dort nicht nur die alten Abenteuer von Dani-E (wer kennt sie noch?) nachzulesen geben, sondern auch noch die verrückten Reisen von Travellic - und das erstmals in Farbe. Da kann man durchaus vor Erwartung erzittern (oder vielleicht vor Angst erschaudern...).

Während in der kalten, lauten Welt dort draussen Kriege toben und Menschen sterben, als sei ihr Leben weniger wert als die kleinen Futzeln WC-Papier, die noch an der Klorolle kleben bleiben, wenn sie aufgebraucht ist, wollen wir uns in Wirklichkeitsverweigerung üben und die Fantasie nähren. In dieser Ausgabe begleiten wir Jochen ans Ende der Welt und den kleinen Ken bei der Entdeckung Tanims. Damit der Sprung von der “wirklichen” Welt nach Tanim nicht zu abrupt wird, gibt es auch hier den einen oder anderen Toten.

Brechen wir... Brechen wir auf nach Tanim und hinein in die Zukunft! Hoffentlich gibt es überhaupt noch eine “wirkliche” Welt, wenn wir zurückkehren.

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22. Dezember 2005 - Cerebus: Die unglaublichste Comicserie überhaupt

Habe wieder einmal die gesamte "Cerebus"-Serie von Dave Sim gelesen. Ich muss sagen, der Typ mag zwar völlig übergeschnappt sein. Er ist aber trotzdem ein wahrer Künstler.

Für alle, die ihn nicht kennen, eine kleine Erklärung:

In den späten 70er-Jahren begann ein unbekannter Kanadier namens Dave Sim allein eine Comicserie zu zeichnen und im Eigenverlag herauszubringen. Sie handelte von einer Conan-artigen Barbaranfigur in der Gestalt eines Erdferkels genannt Cerebus. Nach zwei Jahren und 12 Ausgaben von Fantasy-Parodien begann Sim einen mobatlich erscheinenden politischen Kommentar mit Cerebus in der Hauptrolle. Diese 500 seitige Geschichte nannte er "High Society".

Cerebus wird durch Zufall in die Politik verwickelt. Als er von unfähigen Entführern gekidnappt wird, beschließt er kurzerhand seine Entführung selbst durchzuführen. Das läuft aber schief und Cerebus gerät in größere Schwierigkeiten als zuvor. Deshalb fühlt er sich gezwungen, als Premierminister zu kandidieren. Nach ettlichen Verwicklungen landet er dort, wo er am Anfang war.

Als Erdferkel-Barbar mit Schwert.

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4. Oktober 2005 - Auf der Börse...

Also ich muss sagen, die Comic-Börse ist eine interessante Erfahrung. Innerhalb von zwei Wochen habe ich zweimal daran teilgenommen. Das erste Mal war ich am 18. September mit einem kleinen Stand dabei. Ich war überrascht, wie viele Besucher gekommen sind. Am Anfang waren die typischen Sammler-Naturen dabei, die ihrer verlorenen Kindheit nachjagen. Diese Besucher interessieren sich nicht für neue Comics und haben nur am Rande meine Zeichnungen beachtet. Doch ab der Mittagszeit merkte ich, dass sich einige Zuseher zögerlich um meinen Stand zu scharen begannen. Ich tat das einzige, was unter diesen Umständen Aufsehen erregt: Ich habe gezeichnet.

Das hat den Besuchern gut gefallen. Ich war überrascht, wie schnell ich einige passable Skizzen zu Stande bekam. Vor allem Kinder zeigten sich sehr interessiert. Dann geschah das, wofür ich überhaupt dort war. Ein junges Pärchen kaufte XEGO Nr. 1 und Nr. 2. Ich war erstaunt. Seit Beginn der Veranstaltung waren über zwei Stunden vergangen und erst jetzt wurde ich einige Hefte los. Ich war ausser mir vor Freude.
Das scheint eine Art von Startschuss gewesen zu sein, denn ab diesem Moment lief der Verkauf einigermassen an. Innerhalb vier Stunden habe ich über zwanzig Hefte verkauft. Ich kam auch nicht mehr mit dem Zeichnen nach. So musste ich sogar Geld für die Skizzen verlangen.

Ich habe mich gefreut darüber, dass so viele Menschen sich für meine Arbeit im Besonderen und Comiczeichnen im Allgemeinen interessieren. Mit nicht wenigen Interessierten konnte ich angeregte Gespräche über Zeichentechniken und Grafiksoftware führen. Den einen oder anderen Sammler von Original-Zeichnungen konnte ich auch mit einem Bild zufrieden stellen.

Ehrlich gesagt, war ich ziemlich erledigt, als ich am 18. September den Turnsaal der Berufsschule Längenfeldgasse verließ, aber ich war auch sehr zufrieden.

Am 2. Oktober war dann mein zweiter Auftritt. Diesmal saß ich neben dem berühmten Zeichner und Illustrator Michael Wittmann, der neben seiner "zivilen" Tätigkeit als Jurist im Gesundheitsministerium für die Science-Fiction-Heftreihe "Perry Rhodan" Illustrationen zeichnet und auch sonst in der Comic-Szene recht aktiv ist. Wir kennen einander von einem Comic-Workshop, den er vor zehn Jahren geleitet hat. Ausserdem sind wir beide beim SF-Club "Stardragons". Es war eine große Ehre für mich, genau neben ihm sitzen zu dürfen. Ich konnte ihm beim Zeichnen zusehen und erstarrte beinahe vor Ehrfurcht. Anfangs schämte ich mich ein wenig über meine plumpen Kritzeleien, doch allmählich gewann ich an Selbstvertrauen, weil ich auch merkte, dass er mit seinen Karikaturen (erfolgreich) eine andere Zielgruppe ansprach als ich.

Diesmal war die Börse allerdings nicht so erfolgreich. Ich konnte zwar einige Zeichnungen loswerden, doch von XEGO habe ich ein Dutzend Hefte verkauft. Allerdings hat es mir Spaß gemacht und ich konnte wieder meine Arbeit einer ausgewählten Öffentlichkeit präsentieren.

Eine Sache hat mich aber fasziniert. Im Grunde genommen bin ich ein einfacher Typ, der einfache Möglichkeiten nützt, um ein Heft im Eigenverlag zu produzieren. Nichts, was ich mache, könnte nicht auch ein anderer machen. Immerhin zeichne ich amateurhafte Geschichten mit Texte voller Rechtschreibfehler, die ich dann am Computer mit handelsüblicher Software für den Druck vorbereite, um sie dann in einer Digital-Druckerei selbst auszudrucken, heften, falten und schneiden. Ich mache nichts Ungewöhnliches. Im Grunde kann das jeder machen. Den Stand auf der Comic-Börse kann auch jeder anmieten.

Allerdings glauben manche Besucher, ich verfüge über ein geheimes Wissen oder Können, dass es mir ermöglicht, an der Börse aufzutreten. So manch einer hat mich gefragt, ob ich von XEGO leben kann, obwohl es offensichtlich ein Fan-Projekt ist. Ich war überrascht, wie wichtig manchen Besuchern meine Meinung über ihre zeichnerischen Arbeiten war.
In Wirklichkeit kann jeder von ihnen ein kleines Heft zusammenstellen und sich auch dort hinstellen.

Hier ein Foto von mir auf der Börse neben mir ist Michael Wittman fleissig beim Karikaturen-Zeichnen. Mehr Infos zu dieser Börse findet ihr unter: http://www.tripple.net/contator/cinemunity/news.asp?ber=66&nnr=18407> und unter http://www.comicfilm.at (hoffentlich werde ich nicht verklagt, weil ich ein Bild von der Börse hier auf meine Seite gestellt habe. Wenn es Probleme gibt, bitte sofort unter mbalabanov@yahoo.de melden!).

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13. September 2005 - Die Seite lebt!

Es tut sich was auf der Webseite. Ich habe einige

Änderungen vorgenommen. Ständig verbessere und justiere die Marin-Comics-Webseite nach. Vor einigen Wochen habe ich die Galerie um einige Farb- und Schwarzweiß-Grafiken erweitert. Dann habe ich gemerkt, dass das Gästebuch völlig spinnt. Hin und wieder fängt es an wahllose Steuerzeichen zu produzieren. Ausserdem haben einige "lustige" Zeitgenossen Blödsinn hineingeschrieben, den ich regelmäßig weglöschen musste. Deshalb habe ich beschlossen, das Gästebuch zu entfernen.

An seiner Stelle habe ich ein "How to" eingefügt, in dem ich beschreibe, wie die Zeichnungen entstehen, die ihr auf meiner Seite seht. Einige von Euch haben mich gefragt, wie ich die Bilder male. Meistens ist eine mündliche Erklärung sehr unzulänglich und langwierig. Sobald ich zu erzählen beginne, merkt mein Gegenüber, dass es doch um einiges komplizierter ist, als man es in einigen wenigen Sätzen beschreiben könnte. Deshalb habe ich nicht nur die Entstehung einer Schwarzweiß-Grafik dokumentiert, sondern auch die Konzeption einer Farb-Grafik beschrieben.

Nächsten Sonntag bin ich erstmals auf der Comic-Börse in der Längenfeldgasse. Dort werde ich XEGO Nr. 1 und Nr. 2 anbieten und hoffentlich auch auf viele Comic-Interessierte stoßen. Mir ist Feedback besonders wichtig, weil ich mich dadurch weiterentwickeln kann. Vielleicht treffe ich den einen oder anderen, der mit mir gemeinsam ein Comic machen möchte.

Mich interessiert es mit anderen Zeichnern zusammen zu abeiten. Vielleicht findet sich ein Zeichner, der mich seine Bleistift-Skizzen tuschen und kolorieren läßt. Ich bin da ziemlich flexibel und nicht auf einen einzigen Zeichenstil fixiert.

Ich bin schon gespannt auf die Comic-Börse.

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18. Juli 2005 - Virtuelles Ende?

Vor kurzem wurde ich mit der Frage konfrontiert, warum ich im Zeitalter des Internet überhaupt mit einem Druckmedium beginne. Das sei doch so überholt.

Ich glaube, dass ein Druckmedium über eine ganz eigene Ästhetik besitzt, die auch neben dem Web eine Berechtigung hat. Die Kosten einer Webseite mögen insgesamt um einiges geringer sein als jene eines Druckmediums, doch das kompensiert keinesfalls die Genugtuung ein fertiges und somit nicht mehr veränderliches Produkt wie ein Magazin in Händen zu halten. Zudem bestehen nicht unbedingt große Chancen mit einer österreichischen Webseite auch Geld zuverdienen, auch wenn man Werbung schaltet, so bleibt man auf den Webkosten auch sitzen.

Ein Magazin mit kleiner Auflage kann ich so verkaufen, dass ich meine Druckkosten wieder hereinbekomme und auch ein kleines Bischen übrigbleibt, um die Kosten für den Stand auf der Comic-Börse abzudecken.

In beiden Fällen wird die Arbeitszeit, um das eigentliche Magazin zu gestalten, keinesfalls finanziell abgegolten. Dies geschieht aber durch die Begeisterung für das Produkt.

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15. Juli 2005 - Unterstützung im Comic-Bereich

Es ist wirklich eine ausgesprochene Seltenheit, wenn man unaufgefordert richtige Unterstützung bekommt.

Als ich mich für die Comic- und Film-Börse am 2. Oktober 2005 angemeldet habe, da habe ich erwartet, dass ich einfach die Kohle für deinen Standplatz dort rüberwachsen lassen und dann rechtzeitig dort aufscheinen muss. Wie es sich aber herausstellte ist der Veranstalter Tommy Kohlmaier ein Unterstützer von neuen Comic-Zeichnern. Er hat mir angeboten, meinen Auftritt dort auf seiner Webseite www.comicfilm.at anzukündigen und mir dort Platz für ein Foto und einige Zeichnungen zu überlassen.

Ich war sehr überrascht, dass es in der Fan-Szene solche Unterstützung gibt. Danke!

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14. Juli 2005 - Comic-Börse ich komme

Am 18. September 2005 bin ich auf der Comic-Börse in der Berufsschule Längenfeldgasse. Dort könnt Ihr mich nicht nur persönlich treffen, sondern auch die ersten beiden Ausgaben von XEGO kaufen. Ich werde einige kleine Zeichnungen vor Ort anfertigen, so könnt Ihr sehen, wie meine Bilder entstehen!

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30. Oktober 2004 - Der Film des Jahres.

Der beste Film des Jahres heisst "Team America". Dieser unglaubliche Marionetten-Streifen von den Erfindern von "Southpark" verarscht die Welt im Allgemeinen und die Amerikaner im Besonderen.
"America fuck yeah!"

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5. September 2004 - Und wieder ein kleiner Artikel.

Kaum zu glauben! Ein Artikel für den Splitter! Saaaaaaaaagenhaft!

Schwein gehabt...

Wenn man vom Auslandeinsatz am Golan bei UNDOF hört, dann denkt man an Menschen, die unter härtesten Bedingungen Dienst am Rande der Zivilisation machen. Soldaten, die auf Stützpunkten überwintern, deren meterhohe Schneeschicht von den Elementen zu modernen Kunstwerken verformt werden. Männer, die im Sommer kilometerweit unter der alles-zerschmelzenden Sonne der Steinwüste Syriens patrouillieren. Da gibt es eine Vorstellung, die sicher nicht ins Bild hineinpasst: Spanferkel.

Seit dem 13. August denkt bei Ferkeln aber jeder am Golan automatisch an die Unteroffiziere des Feitl-Club AUSBATT.

Wie die Ritter der Tafelrunde treffen diese honorigen Herren regelmäßig zusammen und hecken ihre mysteriösen Pläne aus. Seit Jahren bereits unterstützen sie das SOS Kinderdorf in Damaskus. Üblicherweise bringen die messerklopfenden Mitglieder die finanziellen Mitteln selbst auf. Diesmal aber haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Unter der Schirmherrschaft des Commanding Officer AUSBATT ObstLt Gerd Schrimpf organisierten sie das Internationale Spanferkel-Grillen Camp Faouar!

Die glückliche Zusammensetzung der Clubmannschaft begünstigte das Unterfangen: der Verpflegs-UO Vzlt Richard Kosmitsch besorgte zwei Prachtexemplare von Spanferkeln und Feldkoch-UO OStv Franz Knappitsch sorgte zusammen mit der Küchen-Crew für die Zubereitung.

Die anderen Feitl-UOs kümmerten sich um das, was man früher noch ein "Festl schmeissen" nannte und heutzutage umständlich als "Event-Management" bezeichnet wird. Die Spanferkeln wurden mariniert und knusprig gegrillt und mit köstliche Beilagen versehen. Für all jene, die kein Schweinefleisch wollten, gestaltete die Küchenmannschaft ein Buffet mit Gegrilltem und Salaten, das seinen eigenen kulinarischen Höhepunkt bildete.

Zu Gast waren Soldaten aus allen Kontingenten, die im Spanferkel ein gemeinsames Kommunikationsmittel entdeckten. Eingeladen waren auch Geschäftsleute aus der nahe gelegenen Ortschaft Khan Arnabeh, die seit Jahren mit den UN-Soldat Geschäftsbeziehungen unterhalten.

Die Stimmung kam so richtig in Schwung, als die ersten OGG-Beobachter (Observer Group Golan) von der Schwesternmission UNTSO mit ihren Familienangehörigen eintrafen. Diese Mischung aus Soldaten und Zivilisten sorgte für eine elektrisierende Stimmung, bei der getanzt, gesungen, gegessen und getrunken wurde.

Der Presseoffizier vom Hauptquartier Mjr Stefan May führte furch den Abend. Seine fulminante Moderation teilte er mit dem Campfotografen Wm Thomas Aigner. Der Camp-Sender "Radio Gecko" sorgte für schwungvolle musikalische Untermalung.

Für die beliebte Tombola wurden die Preise von den Geschäftsleuten aus Khan Arnabeh gespendet. Unter anderem gab es Bekleidung von Adidas und Benetton, Schmuck und sogar (noch nicht gebrauchte) Zahnpräparate zu gewinnen. Danach wurden zwei Karikaturen führender Offiziere und ein Gemälde von Vzlt Hämmerle versteigert. Das Ölbild alleine brachte schon US-$ 210,- ein und stellt eine rustikale Szene des bäuerlichen Lebens in strahlenden Farben dar.

Eine weitere Einnahmequelle für das SOS Kinderdorf bildete der Getränkeausschank, der eine fruchtbare Kooperation zwischen dem Feitl-Club und der UO-Messe darstellte. So konnte das internationale Spanferkel-Grillen insgesamt einen dreistelligen Spendenbetrag aufbringen.

Spätestens seit dieser Feier ist das Geheimnis gelüftet: Wozu gibt es den Feitl-Club überhaupt?

Um Gutes zu tun.

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18. August 2004 - Noch ein kleiner Artikel für den "AUSBATT-Splitter"

Ein Deja Vu (sie haben die Matrix verändert)! Noch ein Artikel im "AUSBATT-Splitter". Dieser Artikel ist allerdings nicht in dieser Form erschienen. Ich musste ihn ein wenig umschreiben (Anfang und Ende wurden nicht so gedruckt)!

Viel Spaß!

Die ganze Welt in einem kleinen braunen Kuvert

Ein kleiner Einblick in die Arbeit der OPS-Kanzlei und ihre Folgen.

In grauer Vorzeit, als noch Dinosaurier die Erde mit ihren mächtigen Fußtritten erbeben liessen, da war die größte Riesenechse unter ihnen: der Brontosaurus. Dieses gewaltige Reptil mit dem langen Hals und wuchtigen Rumpf verfügte über ein atemberaubend langsames und primitives Nervensystem. Wenn man mit einem Reisnagel seine Schwanzspitze gestochen hätte, bräuchte der Schmerzimpuls ganze zehn Minuten, um das Gehirn zu erreichen.

Genauso funktioniert die Bürokratie bei UNDOF. Der militärische Teil der Bürokratie besteht im Groben aus zwei Ebenen. Auf der einen Seite breitet sich innerhalb des Bataillons die historisch gewachsene Kathedrale der österreichischen Bürokratie aus, die nach alter Stempelfarbe und frischen Kopien riecht. Rundherum ragt der groteske Überbau der UN-Bürokratie und lässt dieses altehrwürdige Gebäude wie ein Fertigteilhaus im Burgenland erscheinen.

Diese zwei bürokratischen Welten haben allerdings nur wenige Berührungspunkte. Eine dieser Schnittstellen zwischen AUSBATT und dem Hauptquartier UNDOF ist die OPS-Kanzlei.

Special Papers for Special People

Bestehend aus einem Chief Clerk und zwei OPS-Clerks ist die OPS Anlaufstelle für die Kompanien, um die so genannten "Special Papers" zu beantragen. Meistens handelt es sich dabei um Erlaubnisse, sich innerhalb des Einsatzraumes zu bewegen oder diesen überhaupt zu verlassen.

Auf der "Crossing List" werden jene Personen vermerkt, die über die Linie von der B-Seite auf die A-Seite und wieder zurück fahren wollen. Die Meldefristen für diese Liste betragen je nach Dringlichkeit bis zu einer Woche. So manch ein erlesener Soldat erhält von der OPS aber eine "Orange Card", mit der er, solange das Gate offen hat, jeden Tag, hin- und hercrossen kann, so oft er will.

Will man sich innerhalb Syriens auf Reisen begeben, so braucht man eine Travel Assistance. Mit dieser Erlaubnis, die sich in einem kleinen braunen Kuvert befindet, darf man über den Bereich 40 km ausserhalb von Damaskus hinaus reisen. Dabei werden die syrischen Behörden davon informiert, dass sich UN-Angehörige in einem bestimmten Gebiet befinden. So haben diese weniger Probleme, falls es zu einem Notfall kommt.

Wenn ein ausländischer Zivilist ohne gültige UNID-Karte bei der Ortschaft Sassa die Truppentrennungszone betreten möchte, dann braucht er eine "AOL/AOS-Clearance", die es ihm allerdings noch nicht erlaubt, eine UN-Einrichtung zu betreten. Dafür benötigt der nichts ahnende Besucher wiederum eine eigene Erlaubnis.

Wollen nun UN-Soldaten ihren wohlverdienten Urlaub in Österreich oder in einem anderen netten Urlaubsland verbringen, fliegen sie üblicherweise über den Flughafen in Damaskus. Da ein UN-Soldat kein Visum hat, braucht er eine eigene Genehmigung für die Aus- und Einreise. Auch diese kleinen braunen Kuverts werden von den Kompanien über die OPS beantragt.

Special Olympics

Damit die Special Papers möglichst zeitgerecht und präzise ausgestellt werden, begeben sich die OPS-Clerks behindert durch Zuständigkeitsunklarheiten, Formüberlegungen und ständig ändernder Vorschriften auf einen Spießrutenlauf, der wie die Special Olympics anmutet.

Die Meldungen der Kompanien werden in eine Form gebracht, die vom Hauptquartier weiterverarbeitet werden kann. Gegebenenfalls werden den Anträgen Begründungen oder Kopien anderer Bewilligungen beigelegt, damit das "Crossing Management Center" (CMC) im HQ möglichst umfassend informiert ist.

Nach der Veredelung durch die HQ-Maschinerie landen die Anträge beim zuständigen Verbindungsoffizier der Mission zum jeweiligen Gastland. Die Behörden gewähren ihre Erlaubnis und diese kommt mit dem Geräusch zusammenprallender Planeten auf dem gleichen Wege wieder in die OPS-Kanzlei zurück. Von dort holen Vertreter der Kompanien ihre kleinen braunen Kuverts und verteilen sie an glückliche Soldaten.

Die Tretmühle der Wirklichkeiten

Der Bearbeitungsvorgang für die Special Papers ist zu einem eigenen wirklichkeitsfernen Ablauf herangewachsen. Wie im Film "Matrix" bildet er eine eigene, in sich geschlossene Realitätsebene, in die man einklinken muss, um sich darin bewegen zu können.

Obwohl das durch die Routine oft aus den Augen verloren wird, hat der gesamte Schriftverkehr, all diese Formulare, Anträge und Begründungen, reelle Konsequenzen. Sie hängen direkt mit penibel ausgearbeiteten Urlaubs-Plänen und lange herbeigesehnten Freizeit-Träumen echter Menschen zusammen.

Für den unbeteiligten Beobachter erscheinen diese Träume, Hoffnungen und Pläne so zerbrechlich wie Porzellan in einem Laden, in dem ein Brontosaurus unbeirrt voranschreitet.

Bei näherer Betrachtung bemerkt man, dass der langsame, behäbige Dinosaurier in Wirklichkeit aus Metall besteht, und dass darin unglaublich viele winzige Menschen fleissig und verschreckt vor sich hin arbeiten.

Wenn der unbeteiligte Betrachter nun fragt, warum alles so kompliziert und umständlich sei. Wenn er fragt, ob es denn nicht irgendwie einfacher ginge. Dann lässt vielleicht einer dieser unscheinbaren menschlichen Zahnräder von seinem Lauf in der kafkaesken Moebius-Schleife ab und antwortet: "Das Leben ist kompliziert, kein Formular kann daran etwas ändern. Es gibt nicht auf alle Fragen einfache Antworten. Und manche Fragen kann man nur selbst beantworten."

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12. Mai 2004 - Wieder ein kleiner Artikel für den AUSBATT-Splitter

Okay, liebe Leute, ich habe wieder einen kleinen Artikel für die beliebteste Zeitschrift auf den syrischen Golan-Höhen geschrieben.

Viel Spaß!

Die Entdeckung der Langsamkeit

Seit Silvester findet im AUSBATT der Langsam-Lauf-Treff statt.

Wenn das neue Jahr wie ein Urknall aus dem alten herausbricht, faßt der eine oder andere gute Vorsätze fär das neue Jahr. Den Spitzenplatz in der Hitparade der Neujahrsvorsätze hält aber das Abnehmen. In Wirklichkeit weiß jeder, wie man abnimmt. Gesunde Ernährung und viel Bewegung. Zu letzterem fehlt vielen die Überwindung.

Das AUSBATT hat bei den internationalen Sportbewerben der letzten Jahre stets viele Teilnehmer und eine ausgezeichnete Leistung gezeigt. Dieser Drang nach Superlativen wirkt aber nicht besonders motivierend auf den gesundheitsorientierten Freizeitsportler. Dieser sollte lockeren Schrittes langsam anfangen und sich auf diese Weise mit dem Laufsport anfreunden, um daran seinen Spaß zu entdecken. Erst wenn er sein eigenes Tempo gefunden hat, kann er sich langfristig steigern. Regelmäßiger Sport ist effektiver als intensiver aber sporadischer Sport. Um effizient Fett zu verbrennen, kommt es (wie bei manch einer anderen Freizeitbeschäftigung) auf die Dauer an.

Slowkönig

Der Kommandogruppenkommandant der Stabskompanie Vzlt Ottmar Wohlkönig, selbst profilierter Läufer und Amateur-Eishockey-Spieler, ist durch seine Begeisterung fär das Laufen von einem Sendungsbewußtsein. Er will auch anderen den Weg zu einer gesänderen und vor allem sportlicheren Freizeitgestaltung zu aufzeigen. Deshalb initiierte er am Nachmittag vor dem Jahreswechsel einen kleinen Silvesterlauf, der dezidiert als "Langsamlauf" gekennzeichnet wurde, damit sich keiner unter Druck zu gesetzt fählt.

Gerade zu Silvester erwartete niemand viele Teilnehmer. Als die Dienstzeit jedoch zu Ende ging, trafen mehr als 50 Laufbegeisterte und solche, die es werden wollten, ein. Dann strömte diese bunt gekleidete Menschenmasse langsamen Schrittes aus dem Camp heraus, als hätte die Hand Gottes eine Packung Smarties verschättet. Die multinationale Lauftruppe mit Teilnehmern aus allen Kontingenten, die von ihren Kollegen vom Läufertreffen erfahren hatten, lief die Hallas-Runde und nach einer Stunde waren auch die langsamsten Läufer wieder im Camp.

Am Abend kehrten die Sportler zur Nachbereitung in der UO-Messe ein.

Stirb langsam

Der Silvesterrun fand einen derartig großen Anklang, dass Vzlt Wohlkönig beschloss, im neuen Jahr, jeden Freitag zum Dienstschluß einen Langsam-Lauf-Treff (LLT) zu veranstalten. Im Kommandanten der Stabskompanie, Maj Richard Haselwanter, hat Vzlt Wohlkönig einen glähenden Befährworter und regelmäßigen Teilnehmer am LLT gefunden. Seit Jänner treffen zahlreiche Läufer des AUSBATT zusammen, um gemeinsam, Kilometer zu fressen, statt den Frust in sich hineinzufressen. Der Langsam-Lauf-Treff hat sich aber mit der Zeit zu einem richtigen Gesellschaftsereignis gemausert. Immerhin gibt es nur wenige Gelegenheiten, bei denen Soldaten der unterschiedlichen Zäge und Branches einander zwanglos begegnen. Durch das langsame Tempo bleibt genägend Atem fär eine Unterhaltung und zum regen Informationsaustausch.

Aber auch der meditative Schweiger kommt auf seine Kosten. Beim Laufen begibt sich der Läufer auf die Suche nach sich selbst. Außer er fällt zu weit zuräck, dann sucht er nach den anderen. In einer Welt, in der Menschen so vielen Schadstoffen und anderen schädlichen Einflässen ausgesetzt sind, bietet der Sport einen willkommenen Ausgleich. Denn wer langsam läuft, stirbt auch langsamer. Durch das Langsamlaufen ist es dem einen oder anderen Soldaten des AUSBATT gelungen, seine Vorsätze fär das neue Jahr Wirklichkeit werden zu lassen.

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5. April 2004 - Wir leben in der Zukunft!

Manchmal scheint es mir, dass die Zukunft sich viel zu viel Zeit lässt. Wenn ich die von den Wirtschaftswunderjahren angetriebenen Zukunftsvisionen der 50er- und 60er-Jahre mit der Gegenwart vergleiche, da merke ich, dass etwas fehlt.

Wo sind die fliegenden Autos? Wo sind die Laser-Pistolen? Wo sind die Weltraum-Kolonien? Wo sind die Roboter, die uns die Arbeit abnehmen? Wo ist die Weltregierung, die für Frieden auf der ganzen Welt sorgt? Die Welt ist seit damals nicht besser geworden, sondern nur anders.

Das Jahr 2004 erschien damals noch so weit entfernt, dass man die explosionsartigen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg einfach weitergedacht hat, ohne irgendeine zyklische Entwicklung zu beachten. Es kann nicht immer nur kontinuierlich bergauf gehen.

Viel schwerwiegender noch, hat man nicht die gleichbleibende Natur des Menschen in die Gleichung einbezogen. Der Mensch verändert sich keinesfalls so schnell wie die Technologie um ihn herum. Der technische Fortschritt schreitet zwar stetig voran. Dies tut er jedoch nicht überall mit der gleichen Geschwindigkeit. Es gibt Regionen auf der Welt, in denen viele Menschen nicht lesen und schreiben können, geschweige denn Computer bedienen. Selbst innerhalb einer Industrienation gibt es gewaltige Gefälle. Selbst in einem kleinen und einfach abzudeckenden Land wie Österreich gibt es tatsächlich noch einige wenige Bereiche ohne Mobilfunkempfang und kleine Ortschaften ohne einen einzigen Computer, der an der Telefonleitung hängt. Die Zukunft spielt sich in den Städten und Industriezentren ab. Am sichtbarsten ist das Gefälle in den indischen IT-Zentren um Bangalore und Mumbai (liegen nicht in österreich). Dort strecken sich Hi-Tech-Glasbauten majestätisch in die Höhe, in denen tausende IT-Arbeiter an Daten und Programmen herumbasteln, während sich auf der Fassade die umliegenden Slums spiegeln.

Die Zukunft ist ein exklusiver Club. Unser Alltag hat sich aber drastisch verändert. Denn die Zukunft gibt es wirklich. Wir leben jeden Tag in ihr. Ein weltumspannendes Netzwerk schickt Milliarden von Daten in der Sekunde um den Globus. Jeder von uns ist mit einem persönlichen Kommunikator ausgestattet, den wir halt umständlich "Handy" nennen. Die Computer, die wir zum Texte schreiben und spielen verwenden, haben ein tausendfaches der Rechenleistung jener Rechner, die während der Mondlandung bei NASA zum Einsatz kamen.

Weit über unseren Köpfen schwirren hunderte Satelliten, die uns ständig mit Information und Kommunikation bombardieren. Irgendwo zwischen ihnen wächst ganz langsam die Internationale Raumstation. In ihr arbeiten russische, amerikanische und europäische Astronauten zusammen, die noch vor zwei Jahrzehnten ihr Wissen dazu einsetzten, um einander das Leben schwer zu machen. In den Autokonzernen arbeiten Tag und Nacht stählerne Kreaturen, die andere Maschinen erschaffen - Roboter, die Karosserieteile zusammenschweissen. Menschen mit Herzschrittmachern und vormals gelähmte Menschen mit Beinprothesen, mit denen sie Laufen lernen, sind die modernen Cyborgs. Allerdings haben sie weder die Romantik noch die pubertären Machtphantasien von gewaltiger Körperkraft, die uns manche SF-Filme vermitteln. Roboterhunde von japanischen Unterhaltungskonzernen zeigen uns, dass sie ein müder Ersatz für ein lebendiges Haustier sind. Moderne Persönliche Digitale Assistenten können beinahe die Handschrift des Menschen entziffern und begleiten ihn überall hin, um ihn mit Daten zu versorgen. Einige von ihnen haben mehr Rechenleistung als ausgewachsene Computer vor zehn Jahren.

Das materielle Gut ist an Wert hinter dem immateriellen, ideellen Gut zurückgefallen. Die Entwicklung von Ideen und Konzepte werden besser bezahlt als die Herstellung eines materiellen Gegenstandes. Selbst das Verständnis von Materie hat sich verändert. Vor nur zwanzig Jahren war jedem klar, was ein Buch oder ein Tonträger ist. Heutzutage ist der materielle Aspekte der beiden nur zweitrangig. Der Inhalt zählt und kann als eBook oder MP3-Datei auf beliebigen Geräten abgespielt werden. Voriges Jahr kamen im Monatsabstand Meldungen heraus über Ärzteteams, die den Menschen geklont haben. Sogar religiöse Vereinigungen, die an Ausserirdische glauben, behaupten das.

Begibt man sich auf der Suche nach der Zukunft, braucht man nur eine Ausgabe von "Wired" aufschlagen. In diesem US-Magazin wird der Tech-Fetischismus gefeiert. Vom elektrischen Auto über die Baby-Webcam bis hin zum Haushaltsroboter, der die Wohnung eigenständig putzt. Darin findet man intelligente Medikamente und Freizeit-Pillen, die Spass am Sex und am Leben erhöhen. In jeder Ausgabe wird über Menschen berichtet, die in der Forschung und Entwicklung arbeiten, die neues erschaffen und Ideen wirklich machen.

In den Industriezentren der Welt arbeiten jeden Tag turmhohe Baumaschinen, die aussehen, als seien sie aus einem SF-Film herausgesprungen. Voriges Jahr wurde zwischen Meldungen über Verona Feldbusch und Jenny Elvers berichtet, dass in Deutschland die grösste Baumaschine Europas mehrere Tage benötigte, um eine Distanz von nur wenigen Kilometern zurückzulegen. Die Produktionsstätten der grössten Flugzeugbauer der Welt sehen aus wie das Dock eines Todessterns. Ein Leberkäseproduzent aus österreich, der nicht als solcher bezeichnet werden möchte, stellt Lebensmittel so steril her, dass man meinen könnte, er produziere Mikrochips.

So manch eine Hi-Tech-Jugend-Sendung hat es auf den Punkt gebracht. Die Zukunft sind wir. Sie wird vom Menschen erschaffen. Die Träumer und Phantasten malen sich die unmöglichsten Dinge aus, die einen Niederschlag in der realexistierenden Technologie finden. So manch ein Hersteller von Konsumentenelektronik orientiert sich in seinen Neuentwicklungen an Designs und Konzepten aus der Science fiction. Apples Computer sehen aus wie aus "2001", Handsprings erste Generation von Smartphones sieht aus wie ein Communicator aus "Star Trek".

Sogar einfachste Kuchengeräte sehen aus wie Mini-Reaktoren aus "Raumpatrouille Orion". Die Zukunft findet sich in jedem Bereich unseres Alltags. Heutzutage haben moderne Autos mehr Elektronik als so manche Weltraumfahrzeuge in früheren Jahren. Intelligente Navigationssysteme weisen dem Fahrer den Weg und erklären ihm die Fahrstrecke.

Nur mancher von uns fährt noch einen alten Opel, der nach wenigen Kilometern immer wieder den Geist aufgibt, weil wieder ein anderes Bauteil versagt hat. Die Zukunft ist teuer.

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1. März 2004 - Sandwich forever

Aber nun zu etwas Erfreulichem. Am Samstag haben Barbara und ich uns Sandwiches zur Mittagessen gemacht. Das waren auch nicht irgendwelche Brote, sondern monumentale Kunstwerke, bei denen ein Sandwich-Artist von Subway vieles lernen kann.

Wir verwendeten weichen Vollkorntoast, Sauna-Schinken, Oliven mit Schafskäsefüllung, Tomaten, Thunfischaufstrich, Toastkäse, Salatblätter, Mayonaise und ein köstliches Curry-Ketchup.

Unglaublich, wie sättigend so ein Sandwich sein kann!

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29. Februar 2004 - Who sucks less?

In Anbetracht der Kandidaten ist die nächste Bundespräsidenten Wahl unglaublich uninteressant. Sowohl Heinz Fischer als auch Benita Ferrero-Waldner sind langweilig und die Themen des Wahlkampfes einfach non-existent.

Anfangs hat es zwar noch eine halbwegs verfolgenswerte Diskussion darüber gegeben, ob Ferrero-Waldner wirklich aus feministischen Motiven heraus ihr Frausein als Argument für sich benützt, oder ob sie das nicht als einen der fabrizierten Vorteile nützt, um gegen Fischer zu punkten, ohne selbst tatsächlich von Frauenfragen beeindruckt zu sein.

Auch kam es zu einem kurzen Aufflackern anti-feministischer Ressentiments, die sich als Fererro-Kritik tarnten. Dann kam der gestohlene Wahlkampfslogan. Inzwischen ist auch das eingeschlafen.

In Wirklichkeit geht es beim nächsten Wahlkampf darum, welcher Kandidat weniger beschissen ist.

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28. Februar 2004 - Galerie Galera!

Am Freitag, 27. Februar, war die Eröffnung meiner Ausstellung in der Kunstgreislerei in Gaweinstal. Obwohl so manches schief gelaufen ist (Autopanne) und ich auch nur wenige Einladungen ausgeschickt habe, war sie trotzdem überraschend erfolgreich.

Ich stelle dort ca. 30 Arbeiten aus, darunter auch Bilder, die in der Galerie meiner Webseite zu sehen sind. Außerdem sind sechs Seiten aus der zweiten Ausgabe von "Glux, das Comic-Magazin" zu sehen, die nicht hier zu sehen sind.

Zur Vernissage sind an die 35 Besucher gekommen. Wein aus dem Weingut Stoiber im Weinviertel gab es zum verkosten und als musikalische Untermalung diente das unglaubliche Didgeridoo von Clemens Schremser.
Wenn sich einer von euch in der Nähe von Mistelbach befindet (und das trifft auch auf Wien zu), dann lade ich euch herzlich ein nach Gaweinstal zu schauen und einen Sprung in die Kunstgreislerei zu machen. Die Ortschaft Gaweinstal liegt entlang der Brünnerstraße und die Galerie befindet sich in einer Seitengasse neben dem Parkplatz des ortsansässigen Spar.

Die Ausstellung läuft bis 29. März und zu sehen sind neben meiner bescheidenen Werke, auch Arbeiten von Ewald Stoiber und restaurierte Möbel von Helga Brückl.

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27. Februar 2004 - Wissen, wann's reicht...

Meine Freundin Barbara hat einen alten Opel Kadett, der wie ein künstlich am Leben erhaltener Herzpatient röchelnd die letzten Lebenszeichen von sich gibt. Vor mittlerweile einer Woche hatten wir eine Panne auf der Autobahn. Es fing damit an, dass eine Warnlampe auf dem Armaturenbrett leuchtete. Danach begann sich auch der Motor seltsam zu verhalten. Er machte ruckartige Bewegungen, als stecke ihm ein Speisestückchen im Hals und er es heraus zu husten versuche.

Wir haben uns Sorgen gemacht, ob wir unser Ziel überhaupt erreichen und da sich keiner von uns beiden bei Motoren auskennt (ich habe keinen Führerschein), beschlossen wir fachkundigen Rat einzuholen. Deshalb blieben wir auf der nächsten Autobahnraststätte stehen und fragten den Tankwart, wie weit wir mit dem kaputten Auto kommen. Er sah sich den Motor an, fragte nach der Warnlampe und stellte entschlossen fest, dass wir auf jeden Fall unser Ziel erreichen werden, am nächsten Tag aber einen Mechaniker aufsuchen müssten.
Erleichtert spendierte ich ihm noch einen Kaffee. Dann stiegen wir ein und fuhren weiter.

Drei Kilometer später brach das Auto komplett zusammen und wir saßen ohne Warnblinkalage am Pannenstreifen fest. Weit sind wir gekommen!

Nachdem wir den ÖAMTC verständigt hatten, tauchte dann auch ein Fahrzeug der Straßenmeisterei auf, das uns mit einem riesigen blinkenden Pfeil sicherte. Wir wurden abgeschleppt, bekamen ein Clubmobil, mit dem wir unsere Reise fortsetzten, und einige Tage später konnten wir bereits wieder den reparierten Opel fahren.

Diesmal wollten wir nur von Wien nach Gaweinstal zur Eröffnung meiner Ausstellung. Mitten auf einer Kreuzung brach das Auto wieder völlig zusammen und ließ sich nicht mehr starten. Wir standen fest. Ich stieg aus und deutete dem Wagen hinter uns, dass wir nicht mehr weiterkönnen. Der Mann stieg aus und fragte, ob wir Hilfe brauchen und ob er uns abschleppen solle. Das war ein sehr überraschendes Angebot. Wir achteten gar nicht darauf, dass der Mann wie ein Irrer aussah und einen zwanzig Jahre alten Lada Taiga fuhr. Immerhin ging es nur darum, dass er uns bis zur 100 m weiter gelegenen Tankstelle abschleppt. Was konnte da schief gehen? Also sagten wir zu.

Wie es sich herausstellte hatte der Typ eine Abschleppstange parat, die er fachmännisch und ohne uns in irgendeiner Form zu beachten, zusammensetzte und an die Fahrzeuge anbrachte. Danach deutete er uns, dass wir uns in unser Fahrzeug setzen sollen und stieg in seines.
Bevor er seine Fahrertür schloss brachte er eine aufsteckbare Drehleuchte zum Vorschein, die er mit ihrem Magnetfuß auf dem Autodach anbrachte. Ich musste lachen. Immerhin ging es nur um eine kurze Strecke. Da brauchten wir nicht wie Kojak durch Manhatten düsen.

Bald verging uns aber das Lachen. Der Irre gab ordentlich Gas und machte eine derartig scharfe Kurve, dass meine Freundin, die am Lenkrad saß, nicht mehr mit dem Lenken nachkam. Zudem blieb er auch noch ruckartig stehen. Beinahe fuhren wir ihm hinten auf.

Als wir dann endlich die Tankstelle erreicht hatten und ausgestiegen waren, sahen wir, dass sich durch dieses verrückte Manöver die Abschleppstange verbogen hatte.

Auf dem Gesicht des irren Taiga-Fahrers materialisierte sich ein Ausdruck des hehren Entsetzens, als haben wir gerade sein Lieblingsspielzeug kapputtgemacht.

Ich fuhr mit ihm zum Forstinger und kaufte ihm eine neue Abschleppstange.
Auf der Tankstelle fand sich ein hilfsbereiter Herr, der unserem alten Kadett Starterhilfe gab. Glücklich und zufrieden fuhren wir auch tatsächlich 80 Meter weit, bis zur Kreuzung, an der wir bereits dass Vergnügen hatten, stehen zu bleiben. Dann gab das Auto abermals den Geist auf.

Wir sind auf Öffis umgestiegen.

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17. Februar 2004 - A Palm For All Seasons

Seit 1999 bin ich ein absoluter Fan von Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) aller Arten. Mittlerweile habe ich meinen achten PDA.

Für mich ist ein PDA wesentlich mehr als nur ein elektronischer Terminkalender mit Adressverzeichnis. Vielmehr stellt er für einen wahrhaft "persönlichen" Computer dar, in dem ich meine Daten mitnehmen kann, unterwegs Texte schreiben, E-Books lesen, E-Mails empfangen und Nachrichten aus dem Internet lesen kann.

An dieser Stelle bespreche ich einige jener Geräte, die mich wirklich beeindruckt haben.

Psion Revo

Angefangen habe ich mit dem erstaunlich guten Psion Revo. Dieser kleine und handliche PDA sieht aus wie ein kleiner Notebook und kann wesentlich mehr als die ersten richtigen Notebooks je konnten. Es verfügt über eine vollwertige Office-Suite und kostet als ganzes (samt Hardware) weniger als Microsoft Office. Außerdem konnte man mit dem Gerät bereits damals schon über ein IR-Moden oder ein Handy im richtigen Web surfen, E-Mails und SMS verschicken und empfangen.

So gesehen beherrschte die Software bei der Einführung 1999 mehr als die heutigen Pocket PC und Palms von Haus aus können.
Leider hatte der Revo einige Macken. Er synchronisierte nicht besonders schnell und unproblematisch mit einem PC. Außerdam hat er einen Schwarzweißbildschirm ohne Hintergrundbeleuchtung und er verfügt über kein Speichermedium wie Compact Flash, SD-Karten oder ähnlichem. Ein weiterer Schwachpunkt waren seine fehleranfälligen Akkus, die zudem noch nur sehr schwer zu tauschen waren. Für mich persönlich ist ein weiterer Nachteil, dass der Revo keine Möglichkeit hatte das verschlüsselte E-Book-Format von Palm Digital Media mit seiner reichhaltigen kommerziellen Bibliothek zu lesen. Dieses Manko wurde nur geringfügig durch die Erhältlichkeit des Mobipocket Readers behoben, der das offene Palm-Book-Format beherrscht und auch auf eine Bibliothek kommerzieller Texte zurückgreifen kann.

Obwohl der Revo seit 2002 nicht mehr hergestellt wird, wirkt er mit seinen 33 MHz immer noch so schnell wie die 400 MHz Boliden der Pocket PC-Welt. Schade nur, dass er nicht weiterentwickelt wurde. Ein Modell mit Farbe, einer besseren Akku-Leistung und einem Speichererweiterungsslot wäre für mich der ideale PDA.

Palm IIIc

Nachdem ich mit dem Revo in die Welt der PDA hineingeschnuppert hatte, war ich auf der Suche nach einem bunteren und leistungsstärkeren Gerät. Ich hatte bereits viel von diesen komischen Palm-Organisern gehört mit ihrer Schrifteingabe über den Stift, deshalb beschloss ich, mir das damalige Top-Modell zuzulegen.Sso kaufte ich mir einen Palm IIIc, der über einen Farbdisplay verfügt.
Ich war völlig enttäuscht von diesem Gerät. Immerhin hatte der Psion Revo sowohl Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbank neben einer ausgefeilten Kommunikationssuite für E-Mails und SMS und den üblichen Adress- und Terminverwaltungen eingebaut. Zusätzlich konte ich einen vollwertigen Webbrowser von der beigelegten CD auf den Revo installieren.

Im Vergleich dazu konnte der Palm IIIc verdammt wenig. Zwar hat er einen sehr hellen und im Sonnenlicht unlesbaren Farbschirm, aber bis auf ein Programm, um Fotos anzuzeigen und etwas komischem namens "AvantGo" konnte er nichts.

Schnell lernte ich die Handschrifterkennung über den Stift und machte mich mit dem Umgang vertraut. Erstmals begann ich den terminkalender und das Telefonverzeichnis zu benützen und war erstaunt, wie bequem das war. Ich fand heraus, dass dieses AvantGo sehr nützlich aber trotzdem komisch war. Ich konnte damit Webseiten, die mich interessieren, von meinem großen PC auf den Palm herunterladen, um sie unterwegs zu lesen.

Das öffnete mir die Augen. Plötzlich hatte ich jeden Tag etwas neues auf meinem Palm. Ich konnte in der U-Bahn Nachrichten schmökern und nebenbei mein Leben organisieren. Ich konnte jederzeit Notizen machen und die einfach, schnell und sicher auf meinen PC kopieren. Auch das war eine Stärke des Palm. Ein Knopfdruck genügte, um alle auf dem PDA eingegebenen Daten auf dem PC zu sichern.

Dann entdeckte ich im Internet die gewaltige Fülle an Software-Angebot für den Palm. Schnell kaufte ich die Software zusammen, wie ich sie auf dem Revo kennengelernt hatte. Ich besorgte mir die Office-Suite QuickOffice, das Mailprogramm MultiMail und das SMS-Programm HandPhone. Trotz all ihrem Funktionsumfang konnten sie aber der Revo-Software nicht das Wasser reichen.

Unerbitterlich blieb ich meinem Palm IIIc treu, weil er mir mittlerweile ans Herz gewachsen war. Ich hatte zu ihm eine viel stärkere emotionelle Bindung als zum Revo. Wohingegen der Psion ein Werkzeug war, mit dem ich unterwegs sehr viel Arbeit erledigen konnte, war der Palm ein Teil meines Lebens.

Als ich auch noch die zusammenfaltbare Tastatur dafür entdeckte, war ich dem Ding koplett verfallen. Es ersetzte Notebook und manchmal sogar meinen Hauptcomputer. Egal, wo ich war, konnte ich einfach meinen Palm zücken, die Tastatur auseinanderklappen und drauflosschreiben.
Später kaufte ich mir auch noch eine Digitalkamera zum aufstecken und konnte Fotos schießen lange bevor jedes noch so billige Handy über ein ähnliches Feature verfügte.
Allmählich wurden mir aber die einschränkungen des Palm bewußt.

Er war elends langsam und zwar war ich noch nicht 100% zufrieden mit den Office-Features, die ich mir um teures Geld dazugekauft hatte, diese störten mich aber nicht so sehr wie die ständige Speicherknappheit. Die 8 MB Hauptspeicher waren stets zu knapp. Neben der umfangreichen Software (Avantgo mit seinen Daten schluckte bereits 1,5 MB) hatte ich E-Books und Texte im Speicher. Bald wurde es nicht nur eng, bald verlor ich sogar ein wichtiges Dokument, weil die Textverarbeitung ihn nicht mehr vollständig sichern konnte.

Da reichte es mir. Ich brauchte ein Modell mit Speicherkarten.

Handspring Treo 90

Als Handspring mit seiner Treo-Reihe auf den Markt kam, überlegte ich mir ernsthaft eines dieser Geräte zu kaufen. Doch obwohl die Treos PDA und Mobiltelefon in einem Gerät vereinen, fehlte den ersten Modellen ein Erweiterungsslot für Speicherkarten. Außerdem waren diese Smartphones bei der Einführung unglaublich teuer.

Plötzlich brachte Handspring ein Modell ohne Handy-Teil mit Speicherslot, Farbdisplay und einem unglaublich niedrigen Preis heraus. Leider war das Gerät nur im englishsprachigen Raum erhältlich.

Dank Internet war das aber kein Problem und ich hielt Ende 2002 einen funkelnagelneuen Treo 90 in Händen.
Ein weiterer Vorteil des Treo 90 ist die eingebaute Tastatur - auch Thumbpad genannt. Mit den Daumen kann ich mit ihr recht schnell tippen und bin nicht mehr auf die mühsame und fehleranfällige Stifteingabe angewiesen.

Außerdem kommt ein leichtes Revo-Feeling auf, wenn ich meine Office-Programme wieder über eine Mini-Tastatur bediene.
Ich war glücklich. Diesen winzigen PDA konnte ich wirklich überallhin mitnehmen. Ich besorgte mir eine Speicherkarte mit 32 MB, auf der meine E-Book-Sammlung und auch noch ein Wörterbuch Platz hatte. Auch der Hauptspeicher war mit 16 MB üppig bemessen.

Doch auch bei diesem Gerät stand einiges nicht zum Besten. Obwohl der Treo 90 gut zwei Jahre nach dem Palm IIIc auf dem Markt kam, war der Farbbildschirm im Vergleich absolut schrecklich. Im Freien unter der Sonne war er noch unleserlicher als der Palm IIIc. Ich konnte mir bis dahin gar nicht vorstellen, dass so etwas überhaupt möglich war. Aber beim Palm IIIc konnte man bei voller Helligkeit (sehr Akku-fressend) doch noch angestrengt lesen. Beim Treo 90 war der Bildschirm grau! Und für Spiele war er auch noch ungeeignet, weil er dermaßen nachleuchtet, daß jede Bewegung wie verschmiert erscheint.

Außerdem war die Verarbeitungsqualität des Treo nicht besonders. Der Stift fiel ständig aus dem Sockel. Das war nicht nur bei meinem Gerät so, in diversen Foren fand ich andere, die über die gleiche Schwäche klagten. Eine weitere Kleinigkeit störte mich. Ich konnte keine bequeme Tasche für den Treo 90 auftreiben. Zwar hatte ich mir das offizielle Handspring Etui gekauft. Das war aber viel zu dick und ich konnte darin die Tastatur nicht problemlos nutzen.

Was sich allerdings als gewaltiger Wehrmutstropfen herausstellte, war das Fehlen einer richtigen zusammenklappbaren Tastatur dafür. Mir fehlte die bequeme Texteingabe des Palm IIIc.

So setzte ich meine Suche nach einem würdigen Nachfolger fort.

Palm Zire 71

Auf dem ersten Blick ist der Palm Zire 71 ein Gerät zum verlieben. Er verfügt über einen hochauflösenden Farbbildschirm, der auch bei direkter Sonnenbestrahlung gut leserlich ist. Er ist kleiner als der Palm IIIc und hat noch dazu eine eingebaute Digitalkamera.

Zudem handelt es sich dabei um eine völlig neue Gerätegeneration. Auf ihm läuft das Palm-Betriebssystem der Version 5. Dahingegen hat der Palm IIIc "nur" Version 3.5 (die sich aber nicht extrem von Version 4 unterscheidet). Unter der Haube hat er den leistungsfähigen ARM-Prozessor, der dem Zire 71 die Fähigkeit gibt, Videos und MP3 abzuspielen. Und er verfügt über das, was ich damals wollte: einen SD-Karten-Slot und einen Anschluß für die zusammenklappbare Tastatur

Ich kaufte mir billigst ein Vorführgerät beim Saturn samt Speicherkarte und Tastatur.

Mit disem Gerät erging es mir ähnlich wie mit dem Palm IIIc. Es eröffnete mir ein unglaubliches Spektrum an mobilem Content. Zusätzlich zu den E-Books und Lexika konnte ich nun auch über dem MP3-Player Musik hören und, was mich besonders begeisterte, englische Hörbücher von Audible.

Das war unglaublich. Jetzt konnte ich nicht nur in der U-Bahn Bücher lesen, sondern auch beim Spazierengehen Bücher vorgelesen bekommen. Mit der Digitalkamera konnte ich immer kleine Schnappschüsse machen, die ich auf der SD-Karte speichern konnte und die Tastatur funktionierte prima.

Allmählich dämmerten aber auch bei diesem Gerät die Schattenseiten. Zum einen war die Akkulaufzeit miserabel. Wenn ich alle Funktionen über den Tag verteilt nutzte, hatte ich am Ende dieses Tages ein nutzloses elektronisches Spielzeug ohne Saft in der Tasche. Nicht nur einmal habe ich dadurch wichtige Dokumente verloren, die ich zu spät oder gar nicht gesichert habe. Diese Situation wurde auch dadurch verschlimmert, dass der Steuerknüppel des Zire ein wenig über den Gehäuseverlauf herausragt und durch unabsichtliches Drücken im ausgeschalteten Zustand das Gerät oft eingeschaltet wurde, ohne das ich es verwendet hätte, wodurch wieder unnnötig Akkulaufzeit verschwendet wurde.

Die Lautstärke des Zire war sogar über Kopfhörer zu niedrig. Der normale Lärm während einer U-Bahn-Fahrt macht das Hören von Audible-Hörbüchern bereits unmöglich.

Mit der Version 5 des Palm-Betriebssystems verabschiedete sich Palm auch noch von der bewährten und einfachen Texteingabe über die Schrifterkennung. An ihre Stelle kam eine neue Schrifterkennung, die zwar natürlicher war, für mich aber einen Umlernprozeß darstellte. Mir kam auch vor, dass diese neue Schrifterkennung ungenauer sei und unnötig kompliziert im Umgang mit Sonderzeichen. Außerdem fehlte eine einfache Stiftfunktion, die bei allen anderen Modellen normal war: man kann nicht mehr mit dem Cursor per Stifteingabe um ein Zeichen zurück, ohne es zu löschen.

Was mich aber bei meinem Gerät aber besonders störte war das schrille kaum hörbare aber erschreckend warhnehmbare Pfeifen, das der Bildschirm von sich gab. Das machte es mir unmöglich Nachts im Bett, wenn alles still ist, ein Buch zu lesen.
Dazu kam noch die Anfangs fehlende Avantgo-Unterstützung, die dann mit der Zeit zu einer fehlerhaften Unterstützung wurde, weil die Anwender mit einer Beta-Version nach der anderen gequält wurden.

Alles in allem störte mich auch die filigrane Form mit dem Schiebemechanismus, der die Kamera verbrigt. Ich hatte mich auch noch and die Daumentastatur des Treo gewöhnt und wollte das beste beider Welten.

Palm M125

Mein derzeitiger PDA kann vielleicht als Rückschritt betrachtet werden. Es ist der Pam M125, der über nur 8MB Speicher und ein Schwarzweißdisplay mit einer niedrigeren Auflösung als der Palm Zire 71 verfügt. Außerdem ist er größer, kann keine MP3s und Audiobücher wiedergeben und ist noch dazu nicht einmal Akkubetrieben, sondern wird über zwei Walkmann-Batterien versorgt.

Da ist die Frage durchaus berechtigt, ob ich denn nicht völlig übergeschnappt bin!

Ich mag dieses Gerät aber. Der Bildschirm ist zwar klein jedoch im Freien perfekt lesbar. Die Beleuchtung läßt sich dazuschalten und bietet in der Nacht ein angenehmes Bild. Das Gerät läuft sehr zuverlässig, was man vom Zire 71 nicht behaupten kann, der hin und wieder unter den Kompatibilitätsschwirigkeiten von PalmOS 5 leidet.

Die Schrifterkennung ist wieder das alte Graffiti 1, das ich beherrsche und liebe. Außerdem habe ich meinen Erweiterungsslot für die Speicherkarten, womit der kleinere Hauptspeicher kein allzu großes Problem ist.

Auch die zusammenklappbare Tastatur kann ich darauf weiter verwenden. Und weil ich mich nach einem Thumbpad gesehnt habe, besorgte ich mir auch für meinen Palm M125 eines von Targus. Es wurde zwar für die m500-Reihe entwickelt, funktioniert aber anstandslos, wenn auch die Paßform nicht perfekt ist.

Und die Batterielaufzeit... Das ist ein Gerät, das wahrhaft unabhängig macht. Ich kann es im siebenstündigem Dauerbetrieb verwenden und brauche trotzdem keine Steckdose. Oft war ich tagelang in Syrien unterwegs, wo es einfach keine geeignete Stromversorgung gibt. Entweder passen die Stecker nicht oder der Strom fällt aus. Jetzt brauche ich nur neue Batterien einlegen.

Und mir gefällt die Form. Ich habe eine geeignete Hülle, die klein ist und das Gerät schützt. Wobei es von Haus aus sehr robust ist und auch den einen oder anderen Sturz überlebt, weil es über eine doppelte Hülle verfügt.

Natürlich muß ich jetzt auf MP3 und Audiobooks verzichten. Mir ist aber die zuverlässige Speicherung meiner Daten und die Portabilität eines wahrhaft stabilen Gerätes wichtiger.

Und wenn ich den LCD-Bildschirm mit seinen Schwarzweißzeichen ansehe, fühle ich mich ein wenig an den Psion Revo erinnert...

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14. Februar 2004 - Der Bohlen, der Dieter

Es mag zwar schrecklich klingen, ich habe aber tatsächlich das Buch Nichts als die Wahrheit von Dieter Bohlen und Katja Kessler gelesen. Neben dem ganzen Affairen-Enthüllungsrummel um das Buch ist eine Sache ziemlich unter den Tisch gefallen. Das Buch ist recht unterhaltsam geschrieben. Selbst die melancholischen Augenblicke werden mit einem Augenzwinkern vermittelt. Bohlen ist zwar ein großtuerischer, ungebildeter Kotzbrocken, der nur an sich selbst denkt. Er ist aber auch der Beweis dafür, dass man mit Verbissenheit, Kontakten und einem gehörigen Sturschädel erfolgreich sein kann.

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11. Februar 2004 - RetroComputer

Mittlerweile bin ich auf Urlaub in Österreich. Da habe ich auf eBay herumgeschmöckert und bin auf einen sehr günstigen alten Macintosh-Computer gestoßen. Da habe ich gleich mitgesteigert und das Ding erworben. Es handelt sich dabei um einen Apple Macintosh SE/30. Er ist 16 MHz schnell, hat 8 MB Hauptspeicher und die Festplatte, die normalerweise 30 MB groß ist, habe ich auf 500 MB aufgerüstet. Das Gerät hat einen kleinen Schwarzweißbildschirm und alle seine Komponenten (bis auf die Tastatur) in seinem knuddeligen Gehäuse vereint.

Wie wir alle in den Medien mitbekommen haben, wird der Apple Mac heuer 20 Jahre alt. Uns wurde schon oft genug verklickert, dass der Mac der erste Computer war, der die grafische Benutzeroberfläche und die Maus eine breiten Masse zugägnlich gemacht hat. Was mich aber am alten Mac SE/30 so fasziniert ist, dass er bereits 1988 so vieles von dem beherrscht, was uns heute als modern erscheint. Selbstverständlich kann man damit die meisten Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsaufgaben erfüllen, die auch heute anfallen. Man kann mit ihm E-Mails empfangen und verschicken. Außerdem kann man mit ihm sehr langsam im Internet surfen. Letzteres ist zwar ob seines kleinen Bildschirms sicher kein Vergnügen. Wenn jemand aber bereit ist, mit seinem Palm oder seinem Mobiltelefon zu surfen, dann ist der Mac im Vergleich besser.

Mir ist klar, dass heutzutage die meisten Betriebssysteme sehr viel im Hintergrund erledigen, das dem Anwender verborgen bleibt. Auch ist mir klar, dass die Systeme immer komplexer werden, weshalb Programmierer immer weiter weg von der Hardware-Ebene, die sich unter zahlreichen Systemschichten verbirgt, programmieren. Und natürlich sind die heutigen Systeme wesentlich kommunikativer, offener und flexibler, als dies früher der Fall war. Trotzdem finde ich es auch schade, dass Programmierer sich nicht mehr so viel Mühe machen, die Vorhandene Hardware in jener Form auszunützen, wie dies früher der Fall war. Der Grund, warum so vieles von dem, an das wir uns heutzutage gewöhnt haben, bereits vor 16 Jahren auf dem Mac möglich war, liegt nicht darin, dass der Mac so leistungsfähig war, sondern, dass die Entwickler die vorhandenen Ressourcen besser ausgenützt haben. Eine Textverarbeitung konnte man somit in einem einzigen Megabyte unterbringen. Die Tabellenkalkulation hat auch nicht mehr als vier MB auf der Festplatte gebraucht.

Heutzutage müssen Entwickler sehr hardwareunabhängig programmieren, weil sie eine möglichst breite Palette an Konfigurationen abdecken wollen. Hingegen gab es früher keine so große Auswahl an Grafikkarten, Speichermöglichkeiten und Eingabegeräten.

Trotzdem nütze ich meinen Apple Macintosh SE/30 neben meinem Apple iBook und meinem Athlon-PC wie einen vollwertigen Rechner.

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8. Februar 2004 - Super Size Me

Neulich habe ich in einer Zeitschrift über den Film Super Size Me gelesen. Darin ernährt sich der Regisseur einen Monat lang nur von McDonald's-Speisen. Während dieser Zeit steht er unter ärztlicher Aufsicht. Wie nicht anders zu erwarten, steht der Filmemacher dem Großkonzern sehr kritisch gegenüber. Obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, wird einem in den Medien das Ergebnis dieses Selbstversuches im Vorfeld offenbart.

Im Versuchszeitraum litt die Gesundheit des Regisseures beträchtlich. Er nahm extrem zu und seine Blutwerte verschlechterten sich unverhältnismäßig. Kurzum der Regisseur bestätigte seine These, von der er wahrscheinlich von Anfang an überzeugt war, auf äußerst anschauliche Weise.

Ich gebe zu, dass ich sehr oft zu McDonald's essen gehe. Das Essen stellt zwar keinen kulnarischen Höhenflug dar, ist aber eigentlich recht nahrhaft. Praktisch ist es auch, dass ich in einem McDonald's-Restaurant fast sofort etwas zu essen erhalte und auch bereits im Vorhinein bezahle und ich somit jederzeit gehen kann. Soweit zu den Vorteilen.

Natürlich bin ich mir der Nachteile bewusst. Die Speisen sind viel zu teuer für den Sättigungswert, den sie liefern. Das Programm war Jahrelang sehr eintönig, was sich in letzter Zeit aber geändert hat. Die Restaurants sind laut und unbequem. Zudem bin ich kein großer Freund von Konzernen, die Ernährung zu einem indutriellen Konsumgut gemacht haben.

Eines steht aber fest. Man kann von den Vorteilen überzeugt sein oder die Nachteile betonen, aber ein derartig willkürliches Experiment durchzuführen um die Bosheit von McDonald's zu beweisen ist einfach falsch. Obwohl ich regelmäßig bei McDonald's esse und zwar regelmäßig aber für meine Begriffe nicht oft genug Sport treibe, wiege ich 75 kg bei 1,83 m Körpergröße und erfreue mich bester Gesundheit.

Wenn es jemand darauf ausgelegt hat, kann er sich nur die ungesunden, fettigen Speisen aus dem McDonald's-Programm aussuchen. Will jemand allerdings nicht zunehmen, kann er Salat statt Pomme frites bestellen oder einen Veggieburger essen. Er/Sie kann Orangensaft oder Mineralwasser statt Coca Cola oder Sprite trinken.

Ich bin sicher, wenn ich mich einen Monat lang nur von McDonald's-Essen ernähren würde, dann hätte ich nicht die Probleme mit meiner Gesundheit, die der Regisseur von Super Size Me hat. Immerhin wird niemandem vorgeschrieben, was und wieviel er essen soll!

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3. Februar 2004 - Fire Power

Seit Dezember 2003 bin ich wieder einmal auf Auslandseinsatz mit dem österreichischen Bundesheer auf den syrischen Golan-Höhen. Diesmal ist es zwar nicht so locker, wie bei den letzten beiden Malen, trotzdem bleibt mir Zeit, um an meinen Comic-Geschichten weiter zu zeichnen.

Außerdem habe ich wieder Gelegenheit an der Truppenzeitschrift AUSBATT-Splitter mit zu arbeiten. Nachfolgend bringe ich Euch meinen Beitrag zur ersten Ausgabe des Jahres 2004. Zur besseren Verständnis der Materie findet sich im Anschluß ein kleines Glossar.

Fire Power for the People!

Besuch bei der internationalen Fire Power Demonstration im LOGBATT

Am Montag, 22. Dezember 2003, organisierte CANCON in Camp Ziouani die Fire Power Demonstration. In den frühen Morgenstunden machten sich gut gut ein Dutzend österreichischer Soldaten und ebenso viele slowakische Kameraden des AUSBATT unter dem Kommando von Mjr HASELWANTER auf dem Weg, daran teilzunehmen. Die slowakischen Soldaten waren schwer bewaffnet. Jeder von ihnen nahm seine Waffe auf die A-Seite mit. Für die Österreicher übernahmen Waffenmeister StWm KUKOWICZ und NUO Vzlt NUSSBAUMER die schwere Transportarbeit.

An diesem dunklen und windigen Montag trafen waffeninteressierte Vertreter aller Nationen von UNDOF auf dem Schießplatz des LOGBATT ein, um sich mit den Waffen der Kameraden anderer Länder vertraut zu machen.

Als erste Sonnenstrahlen Löcher in die rußfarbene Wolkendecke rissen, stellten die einzelnen Kontingente ihre Sturm- und Maschinenengewehre vor. Fachkundige Soldaten zeigten die Funktionsweise der Waffen aus Kanada, Japan, Polen, Österreich und der Slowakei vor. So hatte sich bald jeder mit der Handhabung vertraut machen.

Die Waffen

CANCON führte seine Version der US-amerikanischen M-16 vor, die in Kanada die Bezeichnung C-7 trägt und über das NATO-Standard-Kaliber 5,56 mm verfügt. Die Waffe wirkt auf dem ersten Blick zwar sehr groß, im Gebrauch zeigt sich allerdings, dass dies dazu dient, das Sturmgewehr auszubalancieren, wodurch der Rückstoß kaum spürbar wird.

Das kanadische Maschinengewehr nennt sich C-9 und ist weitläufig bekannt als Mini-MI. Die C-9 hat das gleiche Kaliber wie seine kleinere Schwester, verfügt aber über eine viel stärkere Durchschlagskraft und kann sowohl über ein Magazin als auch einem Gurt beladen werden.

POLBATT zeigte ihr AK TANTAL, die auf der meist verwendeten Waffe der Welt basiert, der Kalaschnikow (AK-47). Dieses mehr als 200 millionen mal verkaufte oder verschenkte Gerät verfügt über ein Kaliber von 5,45 cm und zeichnet sich vor allem durch seine Zuverlässigkeit aus. Allerdings erkauft sie sich diese durch eine ungenauere Treffsicherheit. Weiters führten dieses Kontingent ihr 7,62 mm-Maschinengewehr UK-L 59 vor.

Das SA-58 der slowakischen Armee ist mit seinen 3,60 kg im geladenen Zustand erstaunlich leicht, verfügt aber trotzdem über ein Kaliber von 7,62 mm.

Unsere japanischen Freunde von J-CON zeigten zwar ihre Waffen her, sie führten auch die Feuerwirkung vor, ließen aber keinen Soldaten eines anderen Kontingentes an das Gerät, weil es das japanische Militärgesetz verbietet. Sie verfügen aber über das NATO-Kaliber 5,56 und ähneln in Form und Handhabung der M-16.

Die Teilnehmer des österreichischen Kontingentes zeigten selbstverständlich, das vertraute Sturmgewehr-77 (5,56 mm) und das bewährte Maschinengewehr-74 (7,62 mm) her.

Die Ziele

Als Besonderheit hatten die Kanadier für dieses ausgezeichnet organisierte Schau- und Probeschießen Ziele aus der Praxis zur Verfügung gestellt. Als erstes Ziel musste die Fensterscheibe des gepanzerten Truppentransportfahrzeuges NYALA ihre Kugelfestigkeit unter Beweis stellen. Da die Scheibe nur in eine Richtung Schüssen widerstehen kann, wurde auch der Gegenbeweis geliefert. Als nächstes Ziel diente eine falsch aufgelegte NYALA-Scheibe, bei der die Innenseite nach Aussen gerichtet war.
Eine gewöhnliche Sandsackstellung war das dritte Ziek. Eine arme wehrlose LKW-Tür stellte das letzte Ziel dar. Es schien, als zittere sie vor Angst vor dem Beschuss, der sie noch erwarte.

Das Schiessen

Zuerst führten Schützen jedes Kontingentes die Wirkung der eigenen Waffen vor. Fünf bis zehn Schuss feuerte jeder Soldat auf eines der Ziele ab. Nachdem die Sicherheit hergestellt war, begaben sich alle Teilnehmer zu den Zielen selbst, um die Wirkung der Einschläge zu begutachten.

Die richtig aufgelegten NYALA-Scheiben zeigten sichtbare Einschüsse. Das Glas war zersprungen und auch einige der durchsichtigen Plastikschichten kamen zum Vorschein. Jedoch keine einzige Patrone fand ihren Weg auf die andere Seite der Scheiben. Sie hatten ein halbes Dutzend direkter Treffer eines MG-74 abgehalten!

Allerdings zeigte sich, dass die NYALA-Scheiben, die mit der falschen Seite voran aufgelegt waren, zwar die direkten Treffer des österreichischen Sturmgewehres gerade noch abhalten konnten. Die Wucht des Aufpralls hatte aber auf der anderen Seite so viele Glassplitter davongeschleudert, dass jeder Mensch verletzt worden wäre.

Die LKW-Tür erwies sich als kein geeigneter Schutz gegen Feuerwirkung. Sämtliche Einschüsse bohrten sich glatt durch das dünne Blech. Da zeigten die Sandsäcke doch eine höhere Widerstandsfähigkeit. Beim ersten Schiessen ging noch kein einziger Schuss durch.

Ab jetzt war jedem Teilnehmer erlaubt, mit den Waffen der anderen Kontingente zu schießen. Eine Stunde lang brach ein akustisches Ragnarok aus. Tausende Patronen schleuderten auf die Ziele zu. Da zeigte sich, dass keines davon einem Dauerbeschuss standhalten konnte.
Nach dem Probeschießen blieb einigen Kontingenten noch Munition über, die verschossen werden musste. Mjr HASELWANTER und StWm EGGER legten sich zum MG-74 und ließen die restliche Munition im funkensprühenden Dauerfeuer auf die Sandsackstellung los.
Das MG-74 spie Blitze wie eine mystische Flugechse. Unter dem erbarmungslosen Stahlgewitter hatte die Sandsackstellung überhaupt keine Chance. Vereinzelt flackerten Flammenzungen auf, wo die glühenden Projektile einschlugen. Die Sandsäcke zergingen wie Pudding, dessen Ablaufdatum längst überschritten war.

Wenn die Veranstaltung nicht sowieso an ihr geplantes Ende angelangt wäre, dann wäre der Dauerbeschuss durch das MG-74 Grund genug gewesen. Sämtliche Ziele waren zerbröselt wie Vampire im Sonnenlicht. Zufrieden machten sich die Schiessenden auf dem Heimweg.

In den 60er-Jahren gab es weltweit noch viele Flower Power-Demonstrationen. Im Jahr 2003 wird bei UNDOF Fire Power demonstriert.

Glossar

UNDOF - Der Name der UN-Mission in den Golan-Höhen. United Nations Disengagement Observer Force.

AUSBATT - Austrian Battallion, das trotz seines Namens aus österreichischen und slowakischen Soldaten besteht.

POLBATT - Polish Batallion, das auch tatsächlich nur aus polnischen Soldaten besteht

CANCON - Canadian Contingent

J-CON - Japanese Contingent

LOGBATT - Logsitics Batallion, besteht aus CANCON und J-CON

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