MarinComics Home

Einleitung: Transformation als Überlebenstechnik

« Zum Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel »

“We're gambling on our vision, and we would rather do that than make ‘me too’ products. Let some other companies do that. For us, it's always the next dream.”
Steve Jobs

Thema dieser Arbeit ist das Betriebssystem des Apple Macintosh, der heutzutage gemeinhin Mac genannt wird.

Das mittlerweile 25 Jahre alte Mac OS (Macintosh Operating System) hat zahlreiche Transformationen mitgemacht. Es begann als kleine, aber visionäre grafische Oberfläche, wucherte heran zu einem Ungetüm an historisch gewachsenem Code und geschickten aber so gar nicht zukunftsträchtigen Hacks, konsolidierte sich als modernes, mächtiges Betriebssystem im Zeitalter der Netzwerke und wurde in seiner Geschichte sogar gleich zweimal von einer Prozessor-Architektur auf eine andere portiert.

Wenn Microsofts Betriebssystem Windows für “Kontinuität” steht, dann seht Mac OS für “Verwandlung”. Es ist eine wendige und wandlungsfähige Plattform, die sich wie ein mythischer Gestaltwandler aus griechischen Sagen oder die Pop-Sängerin Madonna1 ständig neu erfindet.

Aber es geht hier gar nicht um Mac OS. Vielmehr geht es um dessen Nachfolger Mac OS X.

In dieser Arbeit behandle ich die Wirren und Irrwege, die das Unternehmen Apple beging, um ein neues Betriebssystem als Ersatz für sein in die Tage gekommenes Mac OS zu finden.

Nach einigen Fehlstarts, die hier ebenfalls behandelt werden, kaufte Apple im Jahre 1996 das Unternehmen seines Gründers Steve Jobs auf. NeXT war von Jobs gegründet worden, nachdem er 1985 auf unzeremonielle Weise aus seinem eigenen Unternehmen geworfen wurde.

Wie auch Apple war NeXT ein Hardware-Hersteller, der seine eigene Systemsoftware entwickelte. Im Gegensatz zu Apple Computern konnte die NeXT-Hardware auf dem Markt nie richtig Fuß fassen. Zum Zeitpunkt der Übernahme hatte NeXT bereits seit einigen Jahren die Hardwareherstellung eingestellt und konzentrierte sich auf die Entwicklung seines modernen und fortschrittlichen Betriebssystems NextStep.

Der kranke Mann von Cupertino

Das war genau, was Apple fehlte: ein modernes Betriebssystem mit geschützten Speicherbereichen, präemptivem Multitasking sowie Multiuser- und Multiprozessor-Fähigkeit. Als "Bonus" kaufte Apple seinen äußerst publikumswirksamen Gründer Steve Jobs mit ein.

Innerhalb kürzester Zeit übernahm Jobs die Kontrolle von Apple und begann das angeschlagene Unternehmen zu sanieren.

Im Jahre 2001 trug Jobs das alte, "klassische" Mac OS öffentlich zu Grabe und stellte Mac OS X als einzig wahres Betriebssystem für den Mac vor als eine eindeutige Abkehr vom bisherigen System.

Somit präsentierte Jobs die Umstellung auf Mac OS X als den endgültig vollzogenen Betriebssystem-Wechsel. Apple war am Ende einer zehnjährigen Irrfahrt angelangt.

Vier Jahre später versetzte er die EDV-Welt abermals in Erstaunen, als er beim großen jährlichen Apple-Event ankündigte, dass Apple seine Macs nunmehr mit Intel-Prozessoren ausliefern werde. Wieder eine Abkehr vom Vergangenen. Diesmal von der gemeinsam mit Motorola und IBM entwickelte PowerPC-Prozessorarchitektur.

Jobs gab zu diesem Zeitpunkt bereits zu, dass Apple sein Betriebssystem Mac OS X parallel sowohl auf der Power PC-Plattform und insgeheim auf der Intel-Plattform entwickelt hatte.

Als Grund für den Umstieg nannte Jobs:

Ausgangsthese dieser Arbeit

All diese Begründungen klingen wie kurzfristige Massnahmen. Sie sprechen dagegen, dass ein Unternehmen, dass in den letzten Jahren darum kämpfen musste, überhaupt ein Betriebsystem zur Marktreife zu bringen, parallel dazu beträchtliche Ressourcen dazu aufgewendet hat, auf einer völlig anderen Architektur das selbe Betriebssystem auch noch zu entwickeln.

Die grundlegende These meiner Arbeit geht davon aus, dass die Mannschaft um Steve Jobs bereits in den Anfangstagen der Mac OS X-Entwicklung die Strategie verfolgte, auf die Intel-Architektur umzusteigen.

Sämtliche Pläne Apples, “the next dream” zu erschaffen, haben eine sehr lange Vorlaufzeit.

Aufbau dieser Arbeit

Diese Arbeit ist grob in drei Bereiche aufgeteilt:

  1. die Grundlagen der Arbeit
  2. die Geschichte von Apple Computer
  3. die Untersuchung des Betriebssystems

Im ersten Kapitel beschreibe ich die Zielsetzung dieser Arbeit und die Methoden, die ich angewendet habe.

Im zweiten Kapitel behandle ich die Geschichte von Apple als Unternehmen und bespreche die Entwicklung von Mac OS sowie seine Unzulänglichkeiten.

Kapitel drei gehört der Beschreibung des allgemeinen Zwecks und der grundlegenden Funktion von Betriebssystemen. Damit lege ich die Grundlage für die Untersuchung von Mac OS X.

Die Kapitel vier und fünf bilden den Kern dieser Arbeit. Darin zeige ich auf, welche Vorbereitungen die Apple-Entwickler bei Mac OS X von Anfang an getroffen haben, um einen Intel-Umstieg reibungslos abzuwickeln.

Kapitel sechs und sieben dienen der Zusammenfassung und dem Forschungsausblick.

« Zum Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel »

Separator line

Fußnoten (Einleitung):

1 Mit diesem Vergleich aus der Popkultur können unter 25-Jährige wahrscheinlich nicht viel anfangen. Hier wäre ein Bezug auf Lady GaGa angebracht, der in wenigen Jahren aber völlig unverständlich wäre. Zurück

Separator line

blog comments powered by Disqus
Weitersagen

In diesem Kapitel:

Valid HTML 4.01 Transitional Valid CSS!