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6. Lichtstrahlen in der Wüstenei

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“Und dann hört sie irgendwo hinter sich das Geräusch eines Hubschraubers, und als sie sich umdreht, sieht sie den langen weißen Lichtstrahl über den toten Boden schwenken, sieht ihn näher kommen wie ein vor Einsamkeit verrückt gewordener Leuchtturm, sieht ihn die Wüstenei absuchen, so töricht, so aufs Geratewohl wie nur je ein kummervolles Herz.”
William Gibson, “Mustererkennung”

Wenn ein Computer ein kleines Universum für sich darstellt, dann steuert das Betriebssystem seine Naturgesetze. Jede grundlegende Änderung dieser Gesetze führt zum Bruch. Apple sorgte in vielen Schritten dafür, dass der Umstieg zu Mac OS X nicht zum diesem Bruch führte. Das Betriebssystem hat seine lange Reise im sicheren Hafen des Intel-Prozessors unbeschadet abgeschlossen. Als NextStep auf Motorola geboren, auf Intel optimiert, stellte sich das Betriebssystem im neuen Gewand als Mac OS X auf dem PowerPC-Prozessor vor. Doch erst auf den Intel-Prozessoren, zeigt es, was es wirklich kann.

Dieses letzte Kapitel fasst im Lichte des bisher beschriebenen meine Argumentation zusammen und stellt einen Forschungsausblick vor.

Im Nachhinein sieht alles logisch aus

Ob Apple wirklich von Anfang an vor hatte, von PowerPC-Prozessoren auf Chips von Intel umzusteigen, wissen natürlich nur die an der Entscheidung beteiligten Personen. Allerdings habe ich in dieser Arbeit folgende Indizienkette gefunden, die sehr wohl auf deisen Schluss kommt.

Im Folgenden finden Sie die Zusammenfassung meiner Argumentation:

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1996

Bevor Apple NeXT kauft, gibt es keine Version von NeXTStep, die auf PowerPC-Prozessoren läuft. Das Betriebssystem wurde ursprünglich für Motorola 68k-Prozessoren entwickelt und wird im Laufe der Zeit auf die Plattformen von Intel, SUN SPARC und DEC Alpha portiert.

1998

Die erste Entwicklerversion des auf PowerPC portierten Betriebssystems Codename Rhapsody als auch Mac OS X-Server zeigen noch in der Entwicklungsumgebung die Option, Programmcode für Intel-Prozessoren zu kompilieren. Allerdings stellt Apple zu diesem Zeitpunkt keine Intel-Systeme her.

Bereits in diesem frühen Stadium zeichnet sich ab, dass die großen und mächtigen Dritt-Entwickler Microsoft (Office), Adobe (Photoshop, Illustrator) und Macromedia32 (Flash, Freehand, Fireworks) nicht bereit sind, ihren bestehenden Programmcode sowohl auf ein neues Betriebssystem als auch auf eine neue Prozessorarchitektur zu portieren. Allerdings ist Apple von den Produkten dieser Entwickler abhängig und kann es sich in Anbetracht des eigenen immer kleiner werdenden Marktanteils nicht leisten, die großen Softwarezulieferer zu verärgern.

1999

Als Übergangslösung stellt Apple für das “alte” Mac OS 9 (Mac OS “Classic”) die so genannte Carbon API-Bibliothek vor. Diese besteht aus einem Amalgam der gewohnten Entwicklerbibliotheken (API), die in den alten Versionen von Mac OS zur Verfügung stehen und der neuen Funktionen, die Mac OS X noch bieten würde.

Software, die an diese API angepasst oder überhaupt zur Gänze mithilfe dieser API entwickelt wird, kann sowohl unter Mac OS Classic als auch unter dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichten Mac OS X laufen.

2001

Apples Zulieferer Motorola und IBM kommen im Wettrennen um Prozessorgeschwindigkeiten mit den Konkurrenten Intel und AMD nicht mit. Zwar schraubt gerade Intel die Taktrate bloß künstlich hoch, um einen höheren Kennwert an Konsumenten zu verkaufen, doch die große Leistungsüberlegenheit, die Apple in den 90er-Jahren genießen konnte, schwindet.

Apple ist aber aufgrund der PowerPC-Prozessorarchitektur an diese Lieferanten gebunden.

In diesem Jahr stellt Apple die erste Konsumentenversion von Mac OS X vor.

2002

Erste Gerüchte über ein Projekt mit dem Codenamen Marklar kursieren. Hierbei soll Apple Mac OS X sowohl für PowerPC-Prozessoren als auch für Intel-Chips entwickeln.

Herbst 2003

Bei der Vorstellung des G5-Prozessors, der mit 2 GHz getaktet ist, verspricht Steve Jobs, dass die Mac-Plattform innerhalb eines Jahres auf eine Taktrate von 3 GHz kommen werde. Der G5 zeichnet sich zu diesem Zeitpunkt zwar als sehr leistungsfähiger Chip aus, aufgrund seiner hohen Betriebstemperatur ist er aber für den Einbau in Notebooks ungeeignet.

Apple erwirtschaftet im Jahr 2003 die Hälfte des Umsatzes mit Notebooks, die über den veralteten G4-Prozessor verfügen.

Winter 2003

Apple stellte mit der Zero-Config-Netzwerktechnk namens Rendezvous33, die erste Mac OS X-Technologie für Windows (und somit für Intel-Prozssoren) bereit. Im selben Jahr bringt Apple eine Windows/Intel-Version des Musikverwaltumgsprogramms iTunes heraus.

Die Leichtigkeit und Geschwindigkeit dieser Portierungen lassen erahnen, dass bereits einige Teile des Mac OS X-Frameworks auf Intel-Rechnern laufen.

Frühjahr 2004

Apple stellt mit Mac OS X 10.4 Tiger die erste Version des Betriebssystems vor, die über eine vorläufig endgültige API verfügt (d.h. das Unternehmen werde keine gravierenden internen Änderungen durchführen), womit Entwicklern eine Sicherheit gegeben wird, dass an Tiger angepasste Software in Zukunft auf neuen Versionen des Betriebssystems ohne Anpassungen laufen werde. Zudem wurde mit der neuen Version von Quicktime die letzte verbleibende aus dem Classic-Zeitalter übernommene Technologie komplett neu geschrieben.

Zwar wird das alte QuickDraw noch unterstützt, jedoch betont Apple in seinen Entwicklerunterlagen ausdrücklich, dass diese veraltete ("deprecated") Technologie nicht mehr weiterentwickelt werde. Dies wird noch stärker unterstrichen, weil die OS X-eigenen Grafik-Frameworks Core Graphics und Quartz Extreme um ein Vielfaches schneller sind.

Sommer 2004

Apple dementiert sämtliche Intel-Gerüchte. Apple-Astrologen34 halten diese Dementi für ungewöhnlich, denn das Unternehmen dementiert sonst niemals bei unwahren Gerüchten. Bisher hat auch nie ein anderes Unternehmen ein Betriebssystem auf zwei völlig unterschiedlichen Prozessoren entwickelt, ohne daraus Kapital zu schlagen (d.h. es zum Verkauf anzubieten).35

Im Übrigen gelingt es Apple nie einen 3 GHz PowerMac auf den Markt zu bringen, weil IBM das Versprechen, den G5 mit dieser Taktrate auszuliefern, nicht wahr macht36.

Sommer 2005

Der Prozessorwechsel wird angekündigt. Apple verlautbart, dass das Unternehmen der PowerPC-Prozessorbaureihe den Rücken zukehrt und ab 2006 die ersten neuen Geräte vorstellen wolle.

Am Tag der Ankündigung stellt das Unternehmen anwesenden Entwicklern Intel-Macs zur Verfügung mit einer voll lauffähigen und erstaunlich flotten (d.h. optimierten) Version des Betriebssystemms. Bestehende Software, die unter Cocoa entwickelt wurde, müsse nur neu kompiliert werden, um das System optimal auszunützen. Die aus dem Jahre 1999 bekannte Option, Code für Intel zu kompilieren steht in den Entwickler-Tools wieder zur Verfügung.

Herbst 2007

Apple stellt mit der Filmschnittsoftware iMovie 08 die erste Applikation vor, die auf PowerPC-Macs gar nicht läuft. Dies ist nur der Anfang, denn ein Jahr später laufen bestimmte Features des Musikprogramms GarageBand nicht auf PowerPC-Rechnern.

Herbst 2008

Mit Mac OS X 10.5 Leopard stellt Apple die Unterstützung von Mac OS Classic-Anwendungen auch auf PowerPC-Macs ein. Alte Programme aus der Ära vor Mac OS X laufen nicht mehr.

Frühjahr 2009

Apple gibt der Carbon-API den Status "deprecated". Somit wird Carbon nicht mehr weiterentwickelt, nunmehr ist Cocoa die einzige zukunftsträchtige API unter Mac OS X. Unter anderem können 64-Bit-Applikationen nur unter Cocoa entwickelt werden. Zu diesem Zeitpunkt liefert Apple nur noch Macs und MacBooks aus, in denen 64-Bit-Prozessoren verbaut sind.

Zur Erinnerung: Carbon wurde als "Kind beider Welten" (Mac OS Classic und OS X) eingeführt, um den damaligen Umstieg zu erleichtern.

Sommer 2009

Apple kündigt an, dass die neue Version Mac OS X 10.6 Snow Leopard nicht auf PowerPC-Prozessoren laufen werde, obwohl das Unternehmen drei Jahre zuvor mit dem PowerMac G5 noch ebensolche Geräte verkauft hat.

Herbst 2009

Apple stellt Mac OS X 10.6 Snow Leopard nur für Macs mit Intel-Prozessor vor.

Diese Version des Betriebssystems enthält keine Technologien, die vor der Übernahme im Jahre 1996 bei Apple in Verwendung waren. Es enthält keine Mac Toolbox und ein völlig neues Quicktime. Bloß optional abrufbare bis zur Versteinerung eingefrorene Versionen von QuickDraw und dem alten QuickTime sind integriert, um die wenigen OS X-Applikation laufen zu lassen, die sie benötigen.

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Somit hat Apple die letzte große Betriebssystem- und Prozessor-Transition von 1997 bis 2009 vollzogen. Dabei gelang es dem Unternehmen, ohne die Unterstützung der großen Drittanbieter zu verlieren noch die Anwender zu verärgern, auf eine völlig neue Prozessorarchitektur und eine komplett andere Betriebssystem- und Prozessor-Basis umzusteigen.

Dieser nur zum Teil reibungslose Umstieg gelang durch Geduld, langfristige strategische Planung und eine gehörige Portion "reality distortion". Nur so konnten Entwickler und User über ein Jahrzehnt bei Laune gehalten werden.

Alternative Wirklichkeiten

Die in dieser Arbeit angeführten Schlussfolgerungen sind natürlich hermeneutischer Natur. Sie sind rein interpretativ. Dadurch entsteht eine Unschärfe, die ich durch meine nachvollziehbare Argumentation zu minimieren versuchte. Trotzdem lässt die Geschichte von Mac OS X auf Intel-Rechnern noch weitere Interpretationsmöglichkeiten zu, die nicht zwingend zum Schluss führen, dass Apple seitdem sich der Staub der NeXT-Akquisition legte, geplant hatte, auf Intel-Prozessoren umzusteigen.

Die Suche nach einem neuen Betriebssystem

Apples zahlreiche gescheiterten Versuche, einen Nachfolger für das klassische Mac OS zu finden, zeigen, dass die Tage von Mac OS Classic seit den frühen Neunziger Jahren gezählt waren. Vor allem die veraltete technische Basis lässt sich objektiv nachweisen (siehe 3. Der Nexus aller Wirklichkeiten: Das Betriebssystem).

Drei mögliche Strategien, einen Nachfolger zu finden, standen Apple zur Auswahl:

1. Eine komplette Neuentwicklung aus eigener Kraft

Die gescheiterten Eigenentwicklungen Taligent und Copland zeigen, dass Apples damalige Strukturen mit der entscheidungsschwachen Geschäftsleitung37, zersplitterten Entwicklergruppen38 und breit gefächertem Geschäftsfeld39 eine Entwicklung aus eigener Kraft nicht erlaubten.

Apple war ein erfahrener Betriebssystemhersteller. Seine Software-Ingenieure hatten allein für die Apple II und III-Reihe vier verschiedene Betriebssysteme entwickelt (Apple DOS, ProDOS, Apple IIGS-OS und das leider etwas ungünstig benannte SOS - Sophisticated Operating System). Der Apple Lisa verfügte wieder über ein eigenes System. Der Mac erlebte in der Zeit vor der Rückkehr von Steve Jobs sieben große Betriebssystemsprünge, einen Prozessorwechsel und sogar eine Apple-eigene Unix-Variante.

Apples Schwierigkeit, aus eigener Kraft ein neues Betriebssystem zu entwickeln, zeigt eindeutig, wie schwierig es ist in einer umkämpften Situation mit schwindendem Marktanteil und großer Abhängigkeit von Drittherstellern einen Systemwechsel durchzuführen.

Vielleicht bedurfte es erst der Überzeugungskraft von Steve Jobs, sowohl Entwickler als auch Anwender vom Wechsel zu überzeugen, so dass sie an eine Neuerung glauben könne.

2. Ein bestehendes fremdes Betriebssystem lizensieren

Die Möglichkeit, Windows NT zu lizensieren und mit einer Apple-eigenen Oberfläche zu versehen, stand als eindeutig mögliche Entscheidung im Raum. Dies hätte aber nicht nur dazu geführt, dass Apple auf einen möglicherweise unzuverlässigen Partners angewiesen gewesen wäre40, vielmehr Apple hätte das verloren, was seine Computer von anderen unterscheidet: die enge Integration zwischen der Hardware und dem Betriebssystem.

3. Der Technologiezukauf

Apple wählte die dritte Variante und kaufte sich ein fertiges Betriebssystem mit den dazugehörigen Softwareentwicklern zu. So konnte es auf hohem Niveau Anpassungen vornehmen. Die Alternative zu NextStep war BeOS. Es gehört wohl zu den großen “Was wäre wenn”-Szenarien, was passiert wäre, wenn Apple doch dem Plan Be nachgegangen wäre.

Mit BeOS hätte der Mac in wesentlich kürzerer Zeit ein neues Betriebssystem erhalten. Einige der Features von BeOS sind auch unter Mac OS X noch nicht implementiert. Es verfügte über ein leistungsfähiges von einer Datenbank gestütztes Dateisystem, verfügte von Haus aus über eine ausgeklügelte Multithreading-Architektur und war in wesentlich höherem Maß für die PowerPC-Prozessorreihe optimiert als dies Mac OS (inklusive Mac OS X) jemals war.

Zudem hätte das Unternehmen mit der Rückkehr des anderen ehemaligen Apple-Executive Jean-Louis Gassée eine ebenfalls publikumswirksame Galeonsfigur zurückerhalten. Allerdings reicht Gassées Strahlkraft an jene von Steve Jobs nicht heran.

Welche andere Alternativen auf der Betriebssystem-Arena standen damals zur Auswahl?

Das von Acorn entwicklete RISC-OS war zwar leistungsfähig genug, verfügte aber weder über die gewünschte Netzwerk/Server-Fähigkeit noch über präemptives Multitasking. Die Situation gestaltete sich ähnlich beim bereits auf PowerPC-Prozessoren laufenden AmigaDOS von Commodore. Verkompliziert wurde die Lage durch die nach dem Konkurs Commodores unklaren Besitzverhältnisse.

Auch GEM (Graphical Environment Manager) von Digital Research wirkte zwar sehr viel versprechend, bot aber nicht allzu viel mehr als das klassische Mac OS.

OS/2 von IBM entsprach genau den Vorstellungen der Apple-Geschäftsleitung. Anfang der 90er-Jahre befand sich sogar eine Version für PowerPC in Entwicklung. Doch einerseits war nach dem Start von Windows 95 auch OS/2 in der Defensive, andererseits wollte IBM sein System niemandem verkaufen, sondern höchstens in Lizenz anbieten (wobei wir wieder bei Variante 2 wären).

Linux war in der ersten Hälfte der 90er-Jahre noch keine Option. Linus Torwalds hatte 1991 den ersten Source Code und das dazugehörige legendäre Mailbox-Posting veröffentlicht, das die OpenSource-Community um das System formierte. Es dauerte noch einige Jahre, bis Linux den Leistungsumfang eines vollständigen mit einer GUI-versehenen Betriebssystems erlangte.

In Anbetracht dieser Situation war Apples Entscheidung, NeXT zu übernehmen auch aus damaliger Sicht vollkommen richtig.

In dieser Arbeit ist es mit nicht gelungen, lückenlos zu beweisen, dass Apple von Anfang an vorgehabt hatte, von PowerPC auf Intel-Prozessoren umzusteigen. Könnte es sein, dass Apple erst zu einem späteren Zeitpunkt und nicht von Anfang an, den Plan formulierte, auf Intel umzusteigen? Das ist gut möglich. Doch dieser Zeitpunkt war früh genug im Reifeprozess von Mac OS X angesetzt.

Das grosse Prozessorsterben

Ein Argument, das für meine These spricht, ist die geringe Vielfalt auf dem eigentlichen Prozessormarkt.

In den frühen 90er-Jahren tummelten sich ein halbes Dutzend verschiedener Prozessorarchitekturen auf dem Weltmarkt, die um einiges leistungsfähiger waren als die damals noch veraltete Architektur von Intel (z.B. Alpha von DEC, SPARC von SUN, ARM von Acorn, PowerPC von IBM, Apple und Motorola, 68k von Motorola). Ende der 90er-Jahre gab es nur noch Intel, AMD und die PowerPC-Plattform. Intel und AMD lieferten im Grunde genommen die selbe Architektur mit nur geringen Unterschieden aus.

Erst als Intel unter dem Preis- und Leistungsdruck von AMD mit der Centrino-Plattform seine aufgeblasenen Pentium-Prozessoren entschlackte und auf eine moderne Basis stellte, wurden sie zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für die teuren und leistungsfähigen Alternativen von SUN und DEC.

Als Intel 2005 auch noch begann Prozessoren mit mehreren Kernen herauszubringen (Core Duo) und diese in einer 64-Bit-Variante anbot (Core 2 Duo) war es klar, dass der größte Prozessorhersteller der Welt nicht ohne Grund diese Position für sich beanspruchen konnte.

Als Intel seine Core-Reihe vorstellte, öffnete sich für Apple ein “window of opportunity”, den Wechsel zu wagen41.

Die Wahrheit ist dort draussen

Es reicht nicht, wie Fox Mulder aus “Akte X”, nur daran zu glauben, dass die Wahrheit “dort draußen” liegt. Vor allem historische Wahrheit ist in höchstem Maße interpretativ. Wenn die Fakten vor einem liegen, kann man sie wie ein Puzzle, in dem die Stückchen ständig ihre Form verändern, in immer anderen Konstellationen zusammensetzen. Das Gesamtbild mag sich zwar nicht allzu sehr verändern, das Detail kann aber immer auch anders ausgelegt werden.

Während der Entstehung dieser Arbeit war ich oft mit der Frage konfrontiert, ob meine forschungsleitende Frage “war Apples Umstieg von der PowerPC- auf die Intel-Architektur von Anfang der Mac OS X-Entwicklung geplant?” nicht das Ergebnis der Arbeit beeinflusste und meine Schlussfolgerung deshalb verzerrt wären.

Unter dem schweren Schatten dieser möglichen Befangenheit habe ich die Fakten meiner Arbeit auch nach anderen Interpretationsmöglichkeiten durchsucht. Anders als erwartet, hat mich das nicht verunsichert, sondern nur in meinem Resultat bestärkt.

Kapitelzusammenfassung

Als Apple NeXT übernahm, lief NextStep auf Intel-Prozessoren. Die erste Version von NextStep auf Apples PowerPC-Architektur wurde 1999 als Mac OS X Server 1.0 vorgestellt. Die erste richtige Version des Systems, die wir auch heute als solche erkennen würden, kam 2001 als Mac OS X 10.0 heraus.

Mit jeder Version des Betriebssystems ersetzte Apple immer mehr alte Technologien. Dazwischen brachte das Unternehmen Software für Windows heraus, die erahnen ließ, dass Teile von Mac OS X problemlos auf Intel-Rechnern laufen konnten.

Mac OS 10.4 Tiger (erst ab 2006) war die erste Version des Systems, die auch auf Intel lief. Mit Mac OS X 10.6 stellte Apple eine reine Intel-Version vor, womit der lange geplante Umstieg vollzogen war.

Alternative Auslegungen des Prozessor-Umstiegs sind grundsätzlich denkbar aber unwahrscheinlich.

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Fußnoten (Kapitel 6):

32 Das damals noch ein eigenständige Unternehmen Macromedia wurde 2005 von Adobe übernommen. Zurück

33 Später aus rechtlichen Gründen in “Bonjour” umbenannt. Zurück

34 In Anlehnung an “Kreml-Astrologen”, die anhand äußerer Anzeichen auf die inneren Vorgänge im Sitz der russischen Regierung schließen. Zurück

35 Ein Jahr später gibt Apple zu, dass dies wahr ist. Das Projekt Marklar war in einem abgeschotteten Block auf dem Unternehmensgelände nur mit der Parallel-Entwicklung des Systems beschäftigt. Zurück

36 Genau genommen gelingt es IBM im Jahr 2005 den Cell-Prozessor für Microsofts XBox 360 und Sonys Playstation mit dieser Taktfrequenz herzustellen, dieser ist aber nicht voll kompatibel zum G5. Zudem ist der Cell in vielerlei Hinsicht zu sehr eingeschränkt, um in einem “richtigen” Computer - also keiner Videospiel-Konsole - eingesetzt zu werden. 2007 stellt IBM den POWER6-Prozessor vor, der zum Zeitpunkt seiner Vorstellung über 3,5 GHz verfügt (2008 bringt IBM sogar ein 5 GHz-Modell heraus). Dieser für den Server- und Workstation entwickelte und mit Wasser gekühlte Prozessor verbraucht allerdings zu viel Strom, um in herkömmliche Desktop-PCs, geschweige denn in Notebooks verbaut zu werden. Zurück

37 Vor allem unter Amelio-Vorgänger Michael "Diesel" Spindler. Zurück

38 Das “alte” Mac OS Classic, Taligent - die Joint-Venture mit IBM, das “neue” aber nie verwirklichte Copland und die komplette Neuentwicklung Newton. Zurück

39 Apple entwickelte damals alles von Office-Software (z.B. AppleWorks für Mac und Windows) über Laserdrucker und Handhelds bis hin zu Digitalkameras - das Unternehmen versuchte sich sogar mit dem Apple Pippin am Videospielemarkt. Zurück

40 Die Geschichte zeigt, dass Microsoft ein unzuverlässiger Partner ist z.B. die Lizenzvereinbarung mit IBM, die es erlaubte MS-DOS auch an Konkurrenten zu vertreiben; die Zusammenarbeit mit IBM in der Entwicklung von OS/2, die von Microsoft aufgekündigt wurde, nachdem sich das eigene Windows 95 als großer Erfolg erwies; die unterschiedlichen Iterationen von Windows Mobile (Windows CE, Palm-sized PC, Pocket PC, Windows Mobile Professional), bei denen Microsoft die Entwicklung vorgab und auch verzögerte; die MP3-Player-Plattform “Plays For Sure”, für die Microsoft eigene DRM (Digital Rights Management)-Server bereitstellte, die nun abgedreht wurden, nachdem Microsoft den inkompatiblen Zune-Player herausbrachte und somit seine eigenen Partner im Regen stehen ließ (Pressestimmen: “Plays for sure, plays no more!”). Zurück

41 An dieser stelle hätte ich gerne einen Wortwitz zu “window of opportunity” und Microsoft Windows gemacht, allerdings kann ich die Einzahl des einen nicht mit der Mehrzahl des anderen vereinbaren. Deshalb bitte ich den Leser, sich einen eigenen Witz auszudenken. Zurück

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